Karlheinz Deschner, ein guter Auskünftensammler nur von jenen Verbrechen und irrtümlich behaupteten Verbrechen, welche von Christen und ungerecht vermuteten Christen begangen wurden. Kein Redner über Christentum, sonder Ankläger gegen böse Christen. Ein dunkler theologisch und philosophisch Ungelehrter, jüdisch geprägter Sittenlehrer (“Moralista”), Anhänger der jüdischen jakobinistischen Revolution. Einmal Nationalsozialist, deutscher Geschweis, tapfer Kämpfer für das Deutsche Reich. Danach ein Abtrüniger, kleingewordener subvoltairianischer Denker, der als Kirchen- und Christentumsfeind AUS unbestimmter gottlosen Aufklärung das Christentum bekämpt und aus geschichtlich teilweise CHRISTLICHER SITTENLEHRE manche Christen verurteilt.


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Fassung vom 16. Januar 2017. Zur Bearbeitung und darüber selber weiter zu schreiben.

Karlheinz Deschner. Luftwaffe, 1942, als Er noch ein Held war.

Karlheinz Deschner. Luftwaffe, 1942, als Er noch ein Held war.

Verräter!

Verräter!

 

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Räumt altes Griechland, alte Rom, Fascismus, Nazionalsdozialismus, Katholische Monarchie, Kristentum aus, ... Was bleibt denn? "Das nuee Erfindung" Dechners? Revolution der falschen Demokratie, Budismus und Schoppenhauer?. Die Welt die Du ausräumen wolltest, ist die deines früheren Heeres und Vaterlandes.

Räumt ihr altes Griechland, alte Rom, Fascismus, Nazionalsdozialismus, Katholische Monarchie, Kristentum aus, …
Was bleibt denn?
“Das neue Erfindung” Dechners? EinVoltaire ohne Gott, Revolution der falschen Demokratie, Budismus und ein wenig von Schoppenhauer?.
Die Welt die Du ausräumen wolltest, ist die deines früheren Heeres und Vaterlandes. Auch Nietsche verurteilt Dich.

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http://de.metapedia.org/wiki/Deschner,_Karlheinz

(Wortlaut ist hier wiedergegeben und ergänzt worden)

Karlheinz Deschner

( 23. Mai 1924 in Bamberg; 8. April 2014 in Haßfurt) war ein deutscher Schriftsteller und Privatgelehrter, der vor allem als Religions- und Kirchenkritiker breite Wirkung erlangte. Zu seinen meistgelesenen Werken zählen „Abermals krähte der Hahn“ (1962) und die berühmte, zehn Bände umfassende „Kriminalgeschichte des Christentums“, die 1986 begonnen und 2013 abgeschlossen wurde.

Inhaltsverzeichnis

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Leben

Jugend und Beginn der publizistischen Laufbahn

Karlheinz Deschner wuchs als Sohn eines katholischen Vaters und einer später zur katholischen Kirche konvertierten protestantischen Mutter auf. Zur damaligen Zeit wurde eine solche Eheschließung noch als „Mischehe“ bezeichnet und traf bei der katholischen Geistlichkeit – und zwar keineswegs nur in dörflichen Milieus – auf ernste Mißbilligung. Karlheinz Deschner besuchte die Grundschule in Trossenfurt, dann das Franziskaner-Seminar in Dettelbach (währenddessen er zeitweise im Franziskanerkloster logierte) und zuletzt das Gymnasium als Internatsschüler bei Karmelitern und Englischen Fräulein in Bamberg, wo er 1942 das Abitur ablegte.

Nach seinem Militärdienst in dem von England 1939 entfesselten europäischen Krieg, der durch den Eintritt der VSA zum Weltkrieg wurde, und dem dadurch herbeigeführten deutschen Zusammenbruch 1945 studierte er dann 1946/47 an der Philosophisch-theologischen Hochschule in Bamberg, schließlich von 1947 bis 1951 an der Universität Würzburg. Er hörte unter anderem Vorlesungen über Literaturwissenschaft, Rechtswissenschaften, Philosophie, Theologie und Geschichte. 1951 wurde er mit der Arbeit „Lenaus metaphysische Verzweiflung und ihr lyrischer Ausdruck“ promoviert.

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Er heiratete 1951 seine Lebensgefährtin, die geschiedene Elfi Tuch. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Katja, Bärbel und der 1984 verstorbene Thomas hervor. Karlheinz Deschner lebte seit vielen Jahren in Haßfurt am Main, einer Kleinstadt im ländlichen Unterfranken. Die katholische Kirche stellte öffentlich die Exkommunikation des Ehepaars wegen ihrer ungültigen Verbindung fest (diese wurde vom damaligen Bischof von Würzburg Julius Döpfner ausgesprochen). Deschner hatte bis dahin nichts Kirchenkritisches oder Religionskritisches publiziert. Dieses Ereignis muß jedoch als tief nachwirkender persönlicher Schock verstanden werden. Deschner betrieb Anfang der 1950er Jahre vorrangig literarische Studien. Friedrich Nietzsche, Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer prägten sein Denken. Im Jahr 1956 veröffentlichte er im Alter von 32 Jahren den Roman „Die Nacht steht um mein Haus“, sein erstes Buch.

Der Anfang der Religionskritik

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Im Folgejahr präsentierte Karlheinz Deschner das Buch „Was halten Sie vom Christentum? 18 Antworten auf eine Umfrage“ (1957), in dem er Beiträge von Zeitgenossen wie Hermann Kesten, Heinrich Böll, Arno Schmidt, Max Brod, Arnold Zweig, Hans Urs von Balthasar, Ludwig Marcuse, Robert Neumann und anderen einleitete, und das als sein erstes kirchenkritisches Werk gilt. Den recht holprigen Titel „Was halten Sie vom Christentum?“ nahmen einige (namentlich christliche) Beiträger zum Anlaß für Repliken im Buch selber. Zeitgleich erschien sein später mehrfach wiederaufgelegter literaturkritischer Band „Kitsch, Konvention und Kunst“ (1957), der die Unehrlichkeit klischeebeladener Dichtung namhaft zu machen versuchte. Im Jahr 1958 erschien sein Roman „Florenz ohne Sonne“.

Die überlebenswichtigen Mäzene

Dank privater Förderung durch Herbert Steffen, Alfred Schwarz und andere konnte Deschner sich in der Folgezeit über Jahrzehnte hin ohne größere materielle Sorgen konzentrierter Arbeit widmen. 1962 erschien seine kritische Kirchengeschichte in einem Band unter dem Titel „Abermals krähte der Hahn“ und 1974 seine kritische Sexualgeschichte des Christentums unter dem Titel „Das Kreuz mit der Kirche“. Bereits seit 1970 (dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses mit dem Rowohlt-Verlag) arbeitete Deschner an seinem mehrbändigen Hauptwerk, der „Kriminalgeschichte des Christentums“. Obwohl er späterhin Millionen Leser erreichen konnte, war die öffentliche Resonanz dennoch schwankend und in den langen Jahren der frühen Werke – von Mitte der 1950er bis zur Mitte der 1970er Jahre – nie ganz ausreichend zum Leben.

Der „neue Atheismus“

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Seit 1988 – mit der Verleihung des Arno-Schmidt-Preises an ihn – wurde Deschner zunehmend öffentliche Anerkennung zuteil, die sich auch in zahlreichen weiteren Auszeichnungen ausdrückt. Deschner war überzeugter Vegetarier und sprach mehrmals in Interviews aus, daß er, wenn er noch einmal leben könnte, seine Kraft einer noch hoffnungsloseren Thematik widmen würde als der Bekämpfung des Christentums – der Mißhandlung und Vernutzung der Tiere. Wiederum würde er sich schreibend betätigen, selbst wenn seine Bücher nicht – wie gegenwärtig – Millionen Leser erreichten. Doch sie stünden dann im Dienst einer noch notwendigeren Sache, nach seiner Überzeugung der notwendigsten überhaupt.

Der ungelenke und eigentlich unzutreffende Ausdruck „neuer Atheismus“ wurde geprägt für eine Riege international geachteter Autoren wie den Biologen Richard Dawkins, die öffentlich und kämpferisch für humanistisch-atheistisches Denken einstehen. Dazu zählen auch der naturalisierte Amerikaner Christopher Hitchens (1949–2011; in Malta geborener Engländer), der französische Philosoph und Gründer einer offenen Akademie Michel Onfray, der deutsche Publizist Michael Schmidt-Salomon und eben in späten Jahren der Veteran Karlheinz Deschner. Ungelenk aber – und sogar verkehrt – kann diese Bezeichnung „neuer Atheismus“ deshalb genannt werden, weil es im ganzen 20. Jahrhundert in Europa nie ein Wegbrechen oder ein Verschwinden atheistischer Auffassungen gegeben hat. Seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts, als Ernst Haeckel mit seinem Buch „Die Welträtsel“ eine „monistisch“ genannte Philosophie vorstellte, waren atheistische Anschauungen gesellschaftlich zwar ungern gesehen (im Schulsystem, beim Militär, auch für alle, die beruflich einen Beamtenstatus anstrebten), aber doch erkennbar sehr weit verbreitet.

Erst als (im Grunde von außerhalb Europas her) eine Spielart des evangelikalen Fundamentalismus in der amerikanischen Innenpolitik größere Resonanz fand – während der Ära des VS-Präsidenten Ronald Reagan (1981–1989) –, entstand danach dieser weltweite publizistische Widerstand von Autoren, die ihren Begriff von Wissenschaft attackiert sahen und auch ihre Vorstellung von religiöser Neutralität des Staates als zunehmend mißachtet betrachteten. Argumentativ „neu“ ist freilich keine dieser atheistischen Positionen. Hitchens schrieb ebenso flott und anregend wie Bertrand Russell zwei, drei Generationen zuvor. Und Dawkins ist – wie seine biologischen Arbeiten belegen – ein ebenso fleißiger und um Achtbarkeit bemühter Gelehrter wie Charles Darwin selbst es war.

„Deschner-Preis“ der Giordano Bruno Stiftung

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Seit 2007 verleiht die – insbesondere dem Werk des Religions- und Kirchenkritikers Deschner verpflichtete – Giordano Bruno Stiftung zweijährlich den nach Karlheinz Deschner benannten „Deschner-Preis“, einen mit 10.000 Euro dotierten Förderpreis. Mit dem Preis sollen Personen oder Organisationen ausgezeichnet werden, „die in besonderem Maße zur Stärkung des säkularen, wissenschaftlichen und humanistischen Denkens und Handelns beitragen“. Als erster Preisträger des „Deschner-Preises“ wurde am 12. Oktober 2007 Richard Dawkins ausgezeichnet.

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Deschners Opus magnum, 10 Bände „Kriminalgeschichte des Christentums“

 

„Kriminalgeschichte des Christentums“

[ Spanische Übersätzung bei Martínez Roca Verlag

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Dieses Werk Karlheinz Deschners soll die Kirchengeschichte von ihren biblischen Ursprüngen im Neuen Testament bis zur Gegenwart umspannen. Partielle oder vollständige Übersetzungen des umfangreichen, annähernd 6.000seitigen Werkes erschienen in italienischer, spanischer, griechischer, polnischer und russischer Sprache. Nach 16jähriger Vorarbeit (1970–1986) kam 1986 der erste Teilband heraus, der die Entstehung und den Aufstieg des Christentums zur römischen Staatsreligion darstellt. Er beginnt mit einer geschichtsphilosophischen Grundlegung, die die grundsätzlichen Probleme der Geschichtswissenschaft und ihrer Methodik reflektiert. Es folgt ein Rückblick auf das Alte Testament. Deschner beschreibt die Landnahme der Israeliten nach der bröckelnden ägyptischen Herrschaft im Palästina des 14. und 13. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung und die Vernichtung des kanaanäischen Stadtstaatensystems.

Dieser Einstieg, der nicht direkt das Christentum, sondern das antike Judentum betrifft, stellt das Verhältnis zwischen religiösem Anspruch und Gewaltpolitik dar: Darin sieht Deschner den Ursprung einer Tradition des Heiligen Kriegs, in der später auch die Christen zahlreiche Massenmorde im Namen eigentlich ja des Gottes Israels begingen. Deschner beschreibt die vielfältigen Todesstrafen, die die Tora für religiöse Vergehen vorsah, die Eroberungspolitik König Davids, die Herrschaftweise und Korruption des Priestertums und schließlich den völligen Untergang des Staates Israel in römischer Zeit. Erst dieser Untergang habe den Aufstieg des Christentums im Römischen Reich überhaupt ermöglicht, da die Christen sich nun als wahres Israel Gottes betrachten konnten.

Ein ausgeprägter christlicher Antijudaismus beginne im Neuen Testament und habe sich mit der Umdeutung der Kirche als „neues Israel“ fortgesetzt. Mit Hilfe ausgewählter Zitate weist Deschner den Kirchenlehrern Ephraim, Johannes Chrysostomos, Hieronymus und Hilarius von Poitiers judenfeindliche Anschauungen zu. Gegen Ketzer und Irrgläubige haben die Kirchenväter nach Deschner pure Hetzreden gehalten. Deschner nimmt lediglich Origenes heraus, den er zu den edelsten Christen überhaupt zählt (also mit einfachen, sittlich aufrechten Gläubigen vergleicht). Ein ganzes Kapitel in diesem ersten Band ist dem Angriff auf das Heidentum gewidmet. Deschner analysiert sodann die Christenverfolgungen im Spiegel der teils übertreibenden Märtyrerlegenden aus kirchlicher Geschichtsschreibung sowie den retrospektiven geschichtsverfälschenden christlichen Blick auf die heidnischen Kaiser. Deschner beleuchtet außerdem die ersten bedeutenden Gegner des Christentums, Celsus und Porphyrios.

Den Abschluß des Bandes bildet Deschners Einschätzung der Kirchenväter Athanasius, Ambrosius und Augustinus. Deschner hält Athanasius „Skrupellosigkeit“, „Prestige- und Machtstreben“ vor. Ambrosius ist in Deschners Worten „ein fanatischer Judenfeind“. Dank dessen Kirchenpolitik, „unnachgiebig und intolerant, doch nicht so direkt; versierter, geschmeidiger“, sei er „Vorbild für die Kirche bis heute“ (S. 400). Augustinus schließlich, der „den Patriotismus noch über die Liebe des Vaters zu seinem Sohne“ stellte (S. 520), sanktionierte damit den „gerechten Krieg“ wie auch den „Heiligen Krieg“.

[ 5, b : Wie man ihn empfangen hat :

[Abschnitt aus Wikipedia    https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karlheinz_Deschner&oldid=161735147   “Karlheinz Deschner : ]

Ablehnung

Ablehnung fand vor allem die ab 1986 veröffentlichte Buchreihe Kriminalgeschichte des Christentums; auch kirchenkritische Vertreter des Christentums, unter ihnen der Tübinger Theologe und Kritiker der katholischen Kirche Hans Küng, lehnten Deschners grundsätzliche Kritik ab. 1994 erschien ein Sammelband unter dem Titel Kriminalisierung des Christentums? mit 23 Stellungnahmen von Kirchenhistorikern und anderen Wissenschaftlern verschiedener Konfession zur Kriminalgeschichte. Deschner antwortete auf diese Stellungnahmen in Form einer Replik im 5. Band seiner Kriminalgeschichte, wobei er detailliert allerdings nur auf eine der Stellungnahmen eingeht.

Vorwurf mangelnder Wissenschaftlichkeit

Deschner beschrieb einmal seine Motivation zum Schreiben so: „Ich schreibe aus Feindschaft. Denn die Geschichte derer, die ich beschreibe, hat mich zu ihrem Feind gemacht“. Dazu sagte der emeritierte Professor für Kirchengeschichte an der Universität Bamberg, Georg Denzler, der selbst mit kirchenkritischen Texten hervorgetreten ist: „Eine solche Motivation kann niemals die Basis für eine ernst zu nehmende Geschichtsschreibung sein.“

In einer Stellungnahme anlässlich von Deschners 80. Geburtstag fasste Denzler Einwände mancher Historiker zusammen: „Er (Deschner) kennt kein Quellenstudium, er trifft eine höchst einseitige Literaturauswahl, interpretiert gedruckte Quellen ohne Berücksichtigung des Zusammenhangs, nimmt Einzelereignisse für das Ganze und täuscht einen gelehrten Anmerkungsapparat vor, bei dem oft nicht zu kontrollieren ist, was behauptet wird.“ An anderer Stelle urteilt er, Deschner sei zwar „der kenntnisreichste unter den advocati diaboli“,[13] doch mangele es ihm an historischem Denken und historischem Urteil.[14] Hubertus Mynarek wies die Verunglimpfungen Deschners zurück. Deschner bediene sich lediglich der Forschungsergebnisse christlicher Exegeten, Altertumsforscher, Mediävisten, neuzeitlicher und moderner Historiker, allerdings so, dass er die Lehren dieser seiner Lehrer gegen sie selbst kehre. Deschner “hat ihre Forschungsergebnisse erst aus der kirchlichen Zwangsjacke befreit.”[15] In derselben Würdigung charakterisiert Mynarek Deschner mit seinen eigenen Worten als Kompilator, „dessen Werke eine fundamentale Abhängigkeit von den Forschungsresultaten der historisch-kritisch arbeitenden Theologen aufweisen“. Eigene originäre Forschung habe er nicht geleistet und auch nicht leisten wollen. Kritischer zu sehen seien jedoch Deschners induktive Methode, eine additive Sisyphos-Arbeit, die als solche aber das Ziel nicht erreichen könne, die Kirche als Verbrecherorganisation zu entlarven. Dazu bedürfe es einer deduktiven philosophisch-soziologischen Analyse, wie sie etwa Eugen Drewermann geleistet habe. Deschner sei kein Religionsphilosoph oder Religionspsychologe, auch kein Kirchenkritiker, sondern ein verdienstvoller “Kirchengeschichtskritiker”.

Vorwurf eines eingeschränkten Religionsverständnisses

Mynareks Hauptkritik wendet sich gegen Deschners verdrängte Religiosität, die nur noch aus Zweifeln bestehe. Seine Fixierung auf religiöse Dogmen, seine Gleichsetzung von Religion und Gottglaube verhindere ein universales Religionsverständnis wie bei Giordano Bruno. Seine kontrastive ethische Verklärung des synoptischen Jesus sei “sentimental, zu romantisch-verklärend”. Mynarek erklärt Deschners Kirchenkritik teilweise als “transformierte Aggressivität”, die in der abgründig-widersprüchlichen Persönlichkeit Deschners verwurzelt sei. Auch die deterministische Leugnung des freien Willens in der Aphoristik stehe letztlich im Gegensatz zur kritischen Haltung Deschners, die Freiheit und Schuld gerade voraussetze.[16]

Vorwurf eines fatalistisch-pessimistischen Welt- und Menschenbildes

Joachim Kahl zeigt sich über zahlreiche Aphorismen Deschners erschrocken, in denen er ein Menschenbild zu erkennen glaubt, das „hämisch herabsetzend, fatalistisch, voll Sehnsucht nach Tod und Tötung“ sei.[17] Auf Kahls Kritik von Deschners Aphoristik, wieder abgedruckt in „Aufklärung ist Ärgernis …“: Karlheinz Deschner Leben – Werk – Wirkung,[18] repliziert Gabriele Röwer im selben Band detailliert; sie moniert, unter Einbeziehung zahlreicher Stimmen der Weltliteratur, Kahls mangelndes Verständnis für das Wesen des Aphorismus wie auch seine Ausklammerung eines der eigenen Deutung widersprechenden Großteils der Deschnerschen Aphorismen, deren Leitidee sie in der „Humanisierung der Lebensverhältnisse auf diesem Planeten“ sieht.[19]

Vorwurf eines verzerrten USA-Bildes fragwürdiger Herkunft

Der Politikwissenschaftler und Extremismusforscher Armin Pfahl-Traughber kritisiert an Deschners Buch Der Moloch, dass es teilweise, wenn auch ohne Absicht, auf ungeprüften gefälschten Quellen und rechtsradikaler Verschwörungsliteratur beruhe, an einen „Stammtisch-Diskurs“ erinnere und stellenweise suggeriere, dass „die US-Amerikaner schlimmer als die Nationalsozialisten waren“. Er bewertet den Moloch als ein „in der Gesamtbetrachtung als Zerrbild anzusehende[s] Buch über den von ihm [Deschner] gar so verachteten Staat der «Yankees»“. Pfahl-Traughber legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass er damit die vielen meist zutreffend dargestellten Sachverhalte nicht leugnen und die USA auch nicht generell verteidigen wolle.[20]

Deschner wies die Kritik zurück. Die Orientierung an der goldenen Mitte zwischen Gut und Böse sei kein historiografisches Kriterium. Er bedauere, auf drei Seiten seines Werks einer Fälschung aufgesessen zu sein. Seine Nachforschungen hinsichtlich des Abegg-Archivs ließen aber auch Zweifel an angeblichen “Fälschungen” aufkommen. Hass mache manchmal auch hellsichtig, nicht blind, und sei nur die andere Seite des Mitgefühls für die Opfer und der Liebe zur Wahrheit. Pfahl-Traughber blende aus, dass er nicht nur das Bankhaus Warburg als Finanzgeber Hitlers dargestellt habe, sondern auch Henry Ford, John Foster Dulles und deutsche Unternehmen. Seine Einschätzung der Geschichte sei nicht deutschnational, sondern decke sich etwa hinsichtlich des Kriegseintritts der USA 1917 mit der Winston Churchills.[21]

Zustimmung

Zu Deschners Buch Abermals krähte der Hahn schrieb der evangelische Theologe Hans Conzelmann: „Deschner hat sich informiert. Er wird sich auf nichts einlassen als: Information.“[22]

Zum gleichen Buch schrieb der katholische Theologe Richard Völkl: „Vor allem aber beweist der Autor an Hand einer immensen Quellen- und Literaturverwertung, was er sagt.“[23]

Der Philosoph und Literaturwissenschaftler Ludger Lütkehaus nannte es „das Verdienst Deschners, auf die Gewalttätigkeit des Christentums hingewiesen zu haben“. Wer der von Deschner „gnadenlos nachgezeichneten Blutspur“ von Christen folge, werde sich des Gesamteindrucks kaum erwehren können: „Was hat die Geschichte des Christentums, der Christentümer aus der Liebesreligion des Anfangs gemacht!“[24]

Beeindruckt von der Kriminalgeschichte des Christentums zeigte sich der katholische Theologe Adolf Holl: „Wie furchtbar der Glaubenseifer sein kann, ist in der ‚Kriminalgeschichte des Christentums‘ nachzulesen. Nach der Lektüre wirken all die Päpste, Kardinäle, Bischöfe und Äbte, Theologen, Nonnen, Mönche und Priester von den ersten Anfängen der Kirche bis in die katholische Gegenwart wie eine Bande von Gangstern, deren verbrecherische Machenschaften sich hinter Weihrauchwolken verbergen.“[25]

Die Theologin Uta Ranke-Heinemann schrieb in ihrem Buch Nein und Amen. Mein Abschied vom traditionellen Christentum: „Der europäische Bürger, den beim Begriff ‚Christliches Abendland‘ satte Selbstzufriedenheit zu befallen pflegt, weil ‚Christliches Abendland‘ in seinen Ohren nach frommer Rechtschaffenheit klingt, sieht nach der Lektüre von Deschner seine Suppe voller Haare. Christliche Unwissenheit und Arroganz werden durch Deschner empfindlich gestört“.[26]

In der Frankfurter Rundschau schrieb der Journalist Arno Widmann zur Kriminalgeschichte des Christentums: „Es gibt Sätze in diesem Buch, die möchte man auswendig lernen, um niemals zu vergessen, welches die Grundlagen der Welt sind, in der wir leben.“ Dazu in der gedruckten Ausgabe die zweite Überschrift: „Karlheinz Deschners ‚Kriminalgeschichte des Christentums‘ zeigt uns, wie wir sind.“[27]

Nach Deschners Tod im April 2014 lud die Giordano-Bruno-Stiftung in Kooperation mit den Verlagen Rowohlt und Alibri zu Ehren ihres Mitgliedes zu einer Gedenkfeier. Michael Schmidt-Salomon lobte Deschner in einem Nachruf als „Juwel der Aufklärung“.[1]

Einzelnachweise diesen Stückes aus Wikipedia:

 

  • 1.
  • Michael Schmidt-Salomon: Ein Juwel der Aufklärung. Nachruf. Humanistischer Pressedienst, 10. April 2014, abgerufen am 29. April 2014.
  • 14.
  • dpa: Kirchenkritiker Karlheinz Deschner wird 80 – „Ich schreibe aus Feindschaft“, 19. Mai 2004.
  • 15.
  • Hubertus Mynarek: Das Phänomen Deschner – Größe und Grenzen. In: Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg (Hrsg.): Aufklärung und Kritik. Sonderheft 9, 2004, S. 132–145 (PDF).
  • 16.
  • Hubertus Mynarek: Das Phänomen Deschner – Größe und Grenzen. In: Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg (Hrsg.): Aufklärung und Kritik. Sonderheft 9, 2004, S. 132–145 (PDF).
  • 17.
  • Joachim Kahl: Deschners Aphorismen. Eine Kritik ihres Menschenbildes sowie ihres Gesellschafts- und Geschichtsverständnisses. In: Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg (Hrsg.): Aufklärung und Kritik. Sonderheft 9, 2004, S. 146–168 (PDF).
  • 18. a.a.O. S. 230–256.
  • 19. a.a.O., S. 257–322; Gabriele Röwer: Wo bleibt das Positive? (Auszug; PDF, 306 kB)
  • 20. Armin Pfahl-Traughber: Deschners USA-Bild – Eine kritische Betrachtung zu „Der Moloch“. In: Aufklärung und Kritik. Sonderheft 9, 2004, S. 169–186 (PDF)215.
  • 21:
  • http://www.deschner.info/de/werk/33/diesseits.pdf
  • 22:
  • Hans Conzelmann: Evangelische Theologie 6, Jahrgang 1964, S. 336.
  • 23:
  • Richard Völkl, Caritas, Freiburg, Dezember 1963, zitiert nach Deschner, Mit Gott und den Faschisten, S. 276 f.
  • 24.
  • dpa: Kirchenkritiker Karlheinz Deschner wird 80 – „Ich schreibe aus Feindschaft“, 19. Mai 2004.
  • 25.
  • Adolf Holl: Wie ich ein Priester wurde, warum Jesus dagegen war, und was dabei herausgekommen ist. S. 14.
  • 26.
  • Uta Ranke-Heinemann: Nein und Amen. Mein Abschied vom traditionellen Christentum. 8. Aufl. 2009, S. 298 f.
  • 27.
  • Frankfurter Rundschau, 12. August 2008; Rezension nach Erscheinen des neunten Bandes der Kriminalgeschichte des Christentums . ]

Probleme der Deschnerschen Kirchenkritik

Die weiteren, ebenso umfangreichen und sehr gründlich mit Quellenverweisen versehenen Bände der „Kriminalgeschichte des Christentums“ fallen gegenüber der wuchtigen Exposition keinesfalls ab. Die intellektuellen Grenzen dieser Kritik liegen auf einer anderen Ebene. Schon im ersten Band der „Kriminalgeschichte des Christentums“ nimmt es wunder, wie wenig der Autor bei anthropologischen Fragen (oder auch bei spirituellen Fragen) verweilt. Er war eben „Kirchenhistoriker“ und als solcher ein „kritischer“ und das sollte doch auch möglich sein, kann man fordern. Sicher kann einem Autor die strikte Beschränkung auf rein historische Abläufe und Verstrickungen zugestanden werden. Wenn er aber ausgerechnet die Geschichte derjenigen Religion, die bis vor ganz wenigen Jahrzehnten in eigentlich allen europäischen Staaten Staatsreligion war, als fortlaufende Kriminalgeschichte qualifiziert, dann wirft er explizit Fragen auf, deren Beantwortung eben keineswegs nur „Historik“ ist oder nur „historische Wahrheit“ betrifft.

Diese Fragen verweisen vielmehr auf eine Reihe von Grundentscheidungen des gesellschaftlichen Selbstverständnisses. Als anthropologische Fragen verweisen sie auf das Rätsel, wie es denn einer Institution möglich sein kann, unablässig zu lügen, zu fälschen und Gegner umzubringen ohne jemals gesellschaftliche Achtung einzubüßen. Denn christliche Sonntagsreden hält ja auch heute jeder Politiker gern und unaufgefordert. Das alles sind – wie man sieht – eben keine bloßen Historikerprobleme, wie Deschner uns weismachen will, sondern das sind anthropologische und im eigentlichen Sinne auch religiöse Probleme. Die vielen spirituellen Fragen – beginnend mit der Frage: Was ist denn der menschliche Geist? – beantwortet kein Historiker (und auch kein „kritischer“ Historiker). Wenn aber ein „kritischer Kirchenhistoriker“ meint, sie radikal und besonders laut stellen zu müssen, dann wird seine eigene, bloß phänomenologisch verfahrende Analyse unklar.

Anders gesagt: In einem kirchenhistorischen Essay etwa einen Bischof, Papst oder Kardinal als Betrüger, Heuchler, Dieb, Mörder und totalitären Gesinnungsfanatiker zu bezeichnen, das kann diese oder jene Berechtigung haben. Aber man würde einen solchen Essayisten mit Recht fragen, wie er das denn anthropologisch sieht oder moralisch oder politisch. Welche persönlichen, geistigen Konsequenzen müßte eine solche Schilderung denn allerwenigstens nach sich ziehen?

Auf mehreren tausend Druckseiten jedoch ausgebreitet, wird dieselbe Konstellation dann schließlich aberwitzig: Das also soll „Kirchengeschichte“ sein? Lauter Massenmord und Lüge und Urkundenfälschung und Geldinteresse und politische Kumpanei mit blanken Verbrechern? „Die Kriminalgeschichte des Christentums“ von Karlheinz Deschner ist eben kein nüchternes „kritisches“ Werk, als das sie uns vorgestellt wird, sondern sie ist – medienwissenschaftlich gesprochen – so etwas wie ein transitorisches Phänomen: Karlheinz Deschner als Autor steht ganz und gar fassungslos vor seinen vielen Quellenentdeckungen eines blutigen, zynischen und lügenverseuchten Geschehens. Er belegt diese seine ratlose – und eigentlich auch unverständige – komplette Fassungslosigkeit mit dem edlen Namen „Kritik“. In Wahrheit aber gelangt er mit kaum einer Bemerkung zur Kritik (und bloß in Ansätzen zur psychologischen Klarsicht). Er bleibt vielmehr erstarrt und hypnotisiert in seiner schieren Fassungslosigkeit stehen. Und das auf abertausenden Druckseiten.

Transitorisch heißt: Sein Werk markiert einen Übergang. Die Welt, in der er aufwuchs, existiert nicht mehr, eine andere konnte er sich aber nicht vorstellen. Und so hantierte er mit den eingeübten Kategorien der „Vernunft“ und der „Kritik“ an geschichtsmächtigen Erscheinungen herum, in denen tatsächlich vollkommen andere Kräfte wirken. Es handelt sich um Abläufe, die den phrasenhaften Mustern von „Fortschritt“, „Rückschritt“ und „Humanisierung“ so gut wie völlig entzogen sind. Nur merkte Deschner das selber nicht, weil er an seine Begriffsschablonen glaubte.

Wie wichtig wäre es doch, nun einmal zu erfahren, was das überhaupt für Wesen sind, diese Menschen, die so handeln und sich so gut und zufrieden dabei fühlen. Als bekennender „Humanist“ wollte Deschner aber genau diese alles entscheidenden und wesentlichen Fragen eben nicht stellen. Er war gar nicht „kritisch“, sondern er affirmierte bloß eine ihrerseits naive Ideologie von den guten Menschen, die eine böse Kirche zu allerlei Verbrechen verführt. Verbrechen, die ganz undenkbar wären ohne jenen kirchlichen Verursacher. Erst recht ist die Bezeichnung „Religionskritik“ für eine solche Position (wie die der Deschnerschen Kirchenkritik) schon zuviel der Ehre. Denn was Religion eigentlich sei, fragt er ja nicht und will es auch gar nicht wissen. Inwiefern also kann ein vielbändiges Werk namens „Kriminalgeschichte des Christentums“ beanspruchen, „Aufklärung“ zu sein, wenn es samt und sonders alle existenziellen Fragen des Lebens ausklammert und verschweigt?

Karlheinz Deschner als Herausgeber

Im Jahre 1970 gab Deschner das Buch „Warum ich aus der Kirche ausgetreten bin“ heraus. Zu den vielen Beiträgern zählten Gerhard Zwerenz, Hans Wollschläger, Frederic Vester (der Prophet der „Vernetzung“), aber auch Klaus Harpprecht. Der Kindler-Verlag bediente mit diesem Werk den Zeitgeist der damaligen Epoche, in der viele Vertreter des Geisteslebens ganz freimütig Religion zum „absterbenden Kulturphänomen“ erklärt hatten.

Davon ist heute natürlich nirgendwo mehr die Rede. Gesellschaften ordnen ihre Regelsysteme im religiösen Rahmen. Keine hat jemals anders verfahren. Und die rasch herbeigezogene Vokabel „Ersatzreligion“ für die Staaten des untergegangenen Warschauer Pakts hat nicht nur die subkutanen religiösen Entwicklungen in diesen Ländern gänzlich mißverstanden, sondern umgekehrt auch den religiösen Charakter der marxistischen Erweckungs- und Erlösungslehre nie begriffen. Man ließ sich von Etiketten ablenken und irreführen, obwohl die Kennzeichen überdeutlich waren.

Im Jahre 1986 gab Karlheinz Deschner in zwei Bänden eine Anthologie mit dem Titel „Das Christentum im Urteil seiner Gegner“ heraus. Beginnend mit Celsus, Porphyrius und Kaiser Julian Apostata, endend mit Henry Miller, Hans Henny Jahnn und Albert Camus, finden sich hier Originaltexte aus zwei Jahrtausenden, von namhaften Beiträgern eingeleitet. Dieses Buch ist seit 1990 in einer gestrafften, einbändigen Taschenbuchausgabe greifbar. Auch der exzellente Kenner der abendländischen Geistesgeschichte wird hier verblüffende Entdeckungen machen können.

Ohne den Fokus auf moralische Anklagen zu legen, bietet diese Sammlung einen genauen Einblick in eine Tiefenlage der europäischen Geschichte: Sie offenbart, wie schroff der Graben zwischen Prediger-Verkündigung und den tatsächlichen sittlichen und spirituellen Auffassungen der erstrangigen Köpfe immer gewesen ist. Das dort – in diesen klassischen aber wenig bekannten Texten – aufscheinende geistige Europa war seit Hus und Wycliffe reformatorisch (also über einhundert Jahre vor Martin Luther bereits). Und es war sodann seit dem frühen 18. Jahrhundert, also lange vor der Französischen Revolution, religiös deistisch, es dachte sich also den ersten Beweger – und darin ganz aristotelisch – schön weit weg. Die religiöse „Einheit“ eines christlichen Europas, die ja insbesondere bis heute Kern der katholischen Verkündigung ist, hat es weder im Mittelalter, noch in der Neuzeit gegeben. Dies gilt geistig. Fiskalisch jedoch, machtpolitisch, hat die Illusion eines Einheitsglaubens große Kraftwirkung entfalten können.

Deschner erweist sich hier, wie auch im essayistischen Nebenwerk, als genauer Kenner seines Quellenbestands. In der Rückschau auf ein Lebenswerk, das in über einem halben Jahrhundert abgefaßt wurde, bleibt es verwunderlich, warum er so krampfhaft am Emblem des „Historikers“ festhalten wollte, während sein tatsächliches Metier doch die weltanschauliche Auseinandersetzung war, die er alleweil anzukündigen und vorzubereiten schien, aber niemals ernsthaft führte.

[Preise und Auszeichnungen

1988 wurde Karlheinz Deschner für sein aufklärerisches Engagement und für sein literarisches Werk, nach Wolfgang Koeppen, Hans Wollschläger, Peter Rühmkorf, mit dem Arno-Schmidt-Preis ausgezeichnet. Im Juni 1993 erhielt er – nach Walter Jens, Dieter Hildebrandt, Gerhard Zwerenz und Robert Jungk – den Alternativen Büchnerpreis und im Juli 1993 – nach Andrej Sacharow und Alexander Dubček – als erster Deutscher den International Humanist Award der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (International Humanist and Ethical Union). Zudem wurde Deschner im September 2001 mit dem Erwin-Fischer-Preis des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und im November dem Ludwig-Feuerbach-Preis des Bundes für Geistesfreiheit Augsburg[10] ausgezeichnet.

Beim Empfang des Erwin Fischers Preises.

Beim Empfang des Erwin Fischers Preises.

2004 wurde Deschner mit dem Wolfram-von-Eschenbach-Preis des Bezirks Mittelfranken für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der Literaturwissenschaftler Karl Corino.

2006 bekam er den Premio letterario Giordano Bruno, Mailand.

Im Jahre 2006 wurde Deschner zum Mitglied der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (Abteilung für Geschichtswissenschaft) gewählt.[11]

Im Jahr 2004 gab die Giordano Bruno Stiftung die Einrichtung eines nach dem Autor benannten Deschner-Preises bekannt, der Personen oder Organisationen verliehen werden soll, „die in besonderem Maße zur Stärkung des säkularen, wissenschaftlichen und humanistischen Denkens und Handelns beitragen“.[12] Erster Träger dieses Deschner-Preises (2007) war der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins (Oxford).][Ergänzung aus Wikipedia]

Zitate

  • „Ich schreibe aus Feindschaft. Denn die Geschichte derer, die ich beschreibe, hat mich zu ihrem Feind gemacht.“ — Karlheinz Deschner[1]

Siehe auch

Verweise

Literatur

Primärliteratur

  • Kitsch, Konvention und Kunst. Eine literarische Streitschrift. List, München 1957; Ullstein, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-548-34825-4
  • Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte. Günther, Stuttgart 1962; aktuelle Neuausgabe: Edition Enfer in der Akzente Versandbuchhandlung, Lahnstein 2010, ISBN 978-3-941960-06-0
  • Talente, Dichter, Dilettanten. Überschätzte und unterschätzte Werke in der deutschen Gegenwart. Limes, Wiesbaden 1964
  • Mit Gott und den Faschisten. Der Vatikan im Bunde mit Mussolini, Franco, Hitler und Pavelić. Günther, Stuttgart 1965
  • Kirche und Faschismus. Jugenddienst-Verlag, Wuppertal 1968
  • (Als Herausgeber:) Warum ich aus der Kirche ausgetreten bin, hrsg v. K. Deschner. Mit einem Anhang: »So tritt man aus der Kirche aus«. München, Kindler Verlag 1970 [damals noch keine ISBN]
  • Das Kreuz mit der Kirche. Eine Sexualgeschichte des Christentums. Econ, Düsseldorf 1974; überarbeitete Neuausgabe 1992; Sonderausgabe 2009, ISBN 978-3-9811483-9-8
  • Kirche des Un-Heils. Argumente, um Konsequenzen zu ziehen. Heyne, München 1974, ISBN 3-453-00445-0
  • Ein Papst reist zum Tatort. Hoffmann und Campe, Hamburg 1981, ISBN 3-455-08201-7 [Flugschrift, 24 S.]
  • Ein Jahrhundert Heilsgeschichte. Die Politik der Päpste im Zeitalter der Weltkriege. 2 Bände. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1982/83; erweiterte Neuausgabe in einem Band als: Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1991, ISBN 3-498-01282-7
  • Die beleidigte Kirche oder: Wer stört den öffentlichen Frieden? — Gutachten im Bochumer §-166-Prozeß. Ahriman, Freiburg im Breisgau 1986, ISBN 3-922774-05-9
  • Kriminalgeschichte des Christentums. Bd.1-8. CD-ROM-Version, Digitale Bibliothek, Directmedia GmbH, Berlin, 2005, ISBN 3-89853-532-0
    • Kriminalgeschichte des Christentums. Band 1. Die Frühzeit. Von den Ursprüngen im Alten Testament bis zum Tod des heiligen Augustinus (430). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1986, ISBN 3498012630
    • Kriminalgeschichte des Christentums. Band 2. Die Spätantike. Von den katholischen „Kindkaisern“ bis zur Ausrottung der arianischen Wandalen und Ostgoten unter Justinian I. (527-565). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3498012770
    • Kriminalgeschichte des Christentums. Band 3. Die Alte Kirche. Fälschung, Verdummung, Ausbeutung, Vernichtung. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1990, ISBN 3498012851
    • Kriminalgeschichte des Christentums. Band 4. Frühmittelalter. Von König Chlodwig I. (um 500) bis zum Tode Karls „des Großen“ (814). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1994, ISBN 3498013009
    • Kriminalgeschichte des Christentums. Band 5. Das 9. und 10. Jahrhundert. Von Ludwig dem Frommen (814) bis zum Tode Ottos III. (1002). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1997. ISBN 3498013041
    • Kriminalgeschichte des Christentums. Band 6. Das 11. und 12. Jahrhundert. Von Kaiser Heinrich II., dem „Heiligen“ (1102), bis zum Ende des Dritten Kreuzzugs (1192). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3498013092
    • Kriminalgeschichte des Christentums. Band 7. Das 13. und 14. Jahrhundert. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3498013203
    • Kriminalgeschichte des Christentums. Band 8. Das 15. und 16. Jahrhundert. Vom Exil der Päpste in Avignon bis zum Augsburger Religionsfrieden. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3498013238
    • Kriminalgeschichte des Christentums. Band 9: Mitte des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Vom Völkermord in der Neuen Welt bis zum Beginn der Aufklärung. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2008, ISBN 9783498013271
    • Kriminalgeschichte des Christentums. Band 10: 18. Jahrhundert und Ausblick auf die Folgezeit. Könige von Gottes Gnaden und Niedergang des Papsttums. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2013, ISBN 9783498013318
  • Opus Diaboli. Fünfzehn unversöhnliche Essays über die Arbeit im Weinberg des Herrn. Rowohlt, Reinbek 1987, ISBN 3-498-01270-3
  • Der gefälschte Glaube. Eine kritische Betrachtung kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe. Knesebeck & Schuler, München 1988, ISBN 3-453-01231-3; unveränderte Neuauflage zum 80. Geburtstag: Knesebeck, München 2004, ISBN 3-89660-228-4
  • Dornröschenträume und Stallgeruch. Über Franken, die Landschaft meines Lebens. Knesebeck & Schuler, München 1989; Neuausgabe: Königshausen und Neumann, Würzburg 2004, ISBN 3-8260-2801-5
  • (Als Herausgeber:) Das Christentum im Urteil seiner Gegner. Frankfurt am Main / Berlin, Ullstein 1990, ISBN 3-548-34659-6 [zweibändige Originalausgabe: 1986]
  • Der Anti-Katechismus. 200 Gründe gegen die Kirchen und für die Welt (mit Horst Herrmann). Rasch und Röhring, Hamburg 1991, ISBN 3-89136-302-8
  • Der Moloch. „Sprecht sanft und tragt immer einen Knüppel bei euch!“ Zur Amerikanisierung der Welt. Weitbrecht, Stuttgart 1992, ISBN 3-522-70970-5
  • Die Vertreter Gottes. Eine Geschichte der Päpste im 20. Jahrhundert. Heyne, München 1994, ISBN 3-453-07048-8
  • Was ich denke. Goldmann, München 1994, ISBN 3-442-12531-6
  • Weltkrieg der Religionen. Der ewige Kreuzzug auf dem Balkan (mit Milan Petrović). Weitbrecht, Stuttgart 1995, ISBN 3-522-71740-6; Neuausgabe als: Krieg der Religionen. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-16742-2
  • Oben ohne. Für einen götterlosen Himmel und eine priesterfreie Welt. Zweiundzwanzig Attacken, Repliken und andere starke Stücke. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1997, ISBN 3-499-60705-0
  • Für einen Bissen Fleisch. Das schwärzeste aller Verbrechen. Asku-Presse, Bad Nauheim 1998, ISBN 3-930994-10-0
  • Die Rhön. Heidnisches und Heiliges. Urtümlichkeit und Idyllik einer einsamen Landschaft. Kleebaum, Bamberg 1998, ISBN 3-930498-15-4
  • Memento! Kleiner Denkzettel zum „Großen Bußakt“ des Papstes im Heiligen Jahr 2000. Rowohlt (rororo 60926), Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-499-60926-6

Sekundärliteratur

  • Hans Reinhard Seeliger (Hg.): Kriminalisierung des Christentums? Karlheinz Deschners Kirchengeschichte auf dem Prüfstand. [Symposium der Katholischen Akademie Schwerte vom 1.–3. Oktober 1992], Herder, Freiburg im Breisgau 1993 (2., durchgesehene und verbesserte Auflage 1994), ISBN 3-451-23222-7
  • Clara und Paul Reinsdorf (Hg.): Drahtzieher Gottes. Die Kirchen auf dem Marsch ins 21. Jahrhundert. Alibri, Aschaffenburg 1995, ISBN 3-9804386-2-7 / IBDK, Berlin 1995, ISBN 3-922601-26-X (Studiensammlung zu Kriminalisierung des Christentums?)

Fußnoten

  1. Aus der Einleitung zur „Kriminalgeschichte des Christentums“

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Wikip. , Bibliographie:

Fassung vom 17. Januar 2017 um 18:29 Uhr.

Literatur

Video

Weblinks

 Commons: Karlheinz Deschner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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II

Lebenslaufe, Meinungen, “RECENTIONES” und Zwiegeschpräche: 

PDF : so9_04

 

Karlheinz Deschner (1924–2014): Der Zeit die Stirn geboten

BLOG vom 13.04.2014

http://www.textatelier.com/index.php?id=996&blognr=5072

Autor: Der Historiker Pirmin Meier, Beromünster LU, zum Tode eines herausragenden deutschen Intellektuellen mit persönlichen Reminiszenzen, Kritik und Hommage
Karlheinz Deschner, Dr. phil., begnadeter Literat und historisch-philosophischer Essayist, auch geschätzter Aphoristiker, geboren am 23. Mai 1924 in Bamberg, der Stadt eines apokalyptischen Reiters, verstorben am 8. April 2014 in Hassfurt, war, wenn es ihm behaglich zumute war, ein fränkischer Heimatschriftsteller. Das war er aber mit einigen schönen Porträts, die von seinem vielschichtigen Horizont Kunde geben, nur nebenbei. Als ethisch engagierter Publizist war Deschner ein glaubwürdig argumentierender Anwalt der „Kreatur“, sofern dieser Begriff einem Agnostiker und skeptischen Atheisten gegenüber angemessen sein kann.
Meine erste Begegnung mit Karlheinz Deschner war ein heftiger verbaler Zusammenstoss. Der Autor referierte vor einem vollen Saal im Spyrgarten von Zürich-Altstetten. Damals muss sich seine im Herbst 2013 von Michael Schmidt-Salomon ergänzte „Politik der Päpste im 19. Und 20. Jahrhundert“, gelinde gesagt, noch auf einem ziemlich unausgereiften Niveau bewegt haben. Im mündlichen Vortrag vor einem Publikum, das wie bei Karl Kraus und Niklaus Meienberg mehrheitlich geil war nach der Vernichtung des Gegners, neigte der Referent dazu, die eine oder andere gewagte These, zum Teil nach dem Kleist-Motto „Die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“, vor einer in der Regel gleichgesinnten Meute auszuprobieren.
Beim Thema Finanzen des Vatikans kam der Referent dann auch noch ins Extemporieren über das Kloster Einsiedeln. Die Rede war von einer Million täglich, die der Abt, Ehrenbürger von Zürich, einsacke – aufgrund des enormen Reichtums und der Verflechtung des Klosters mit den Gnomen von Zürich an der Bahnhofstrasse. Meine damalige Rückfrage über die Rolle der Juden dortselbst, der Freimaurer, der Jesuiten und natürlich auch des Klosters Einsiedeln ging in die folgende Richtung: „Sage mir, wem die Bahnhofstrasse gehört, und ich sage dir, was für ein Feindbild du hast.“ Dieser Einspruch der Gegenaufklärung war für Deschner damals nicht vorgesehen.
Eine Alternative zu Marcel Reich-Ranicki?
Wie auch immer, seiner Schweizer Vertrauensperson Robert Mächler (1909–1996), meinem langjährigen publizistischen Weggefährten, soll Deschner anvertraut haben, es sei ihm auf seinen Tourneen noch fast nie jemand so heftig entgegengetreten.
Der im Saal wie viele andere aufblühende Referent wäre für mich als Demagoge erledigt gewesen, hätte mich Robert Mächler nicht umgehend in seine Geisteswelt eingeführt, darunter in keineswegs polemische Publikationen wie „Das Christentum im Urteil seiner Gegner“, die mir, wie „Abermals krähte der Hahn“, einen nicht auf Einverständnis beruhenden nachhaltigen Eindruck zu vermitteln vermochten. Wegen meinem Engagement für die Trennung von Kirche und Staat im aargauischen Verfassungsrat, hauptsächlich als Kritiker des für mich damals Leibeigenschaft repräsentierenden Kirchensteuerprivilegs, war ich mit dem in dieser Sache regelmässig publizierenden Mächler verbunden. An Deschner, mit dem ich mich allmählich näher befasste, wenngleich skeptisch, beeindruckten mich seine literaturkritischen Werke „Kitsch, Konvention und Kunst“ (1957) sowie „Talente, Dichter, Dilettanten“ (1964). Zum Brechen der Macht des Geistestyrannen Marcel Reich-Ranicki, der die Literaturszene zugleich befruchtete und vergiftete, schien mir Deschner eine veritable Alternative.
Über die jeweils zum Teil mildernden und vermittelnden Interpretationen der Schriften des Kirchenkritikers durch Robert Mächler, der sich einst nach Karl Barth orientiert hatte, kam ich dazu, in Karlheinz Deschner dauerhaft einen interessanten Autor zu sehen. Karl Barth, auf den ich in meinem einzigen, fast nur von Mächler geschätzten Lyrikband „Gsottniger Werwolf“ mehrere Gedichte verfasste, war für mich bei zunehmender Distanz zu katholischer Ideologie eine Zeitlang – im Sinne Kierkegaards – eine letzte christliche Orientierungsgrösse. Seine kirchliche Dogmatik mit seinem im Vergleich zum Katholischen weit radikaleren Puritanismus („Erotische Liebe ist Verleugnung der Humanität“) kam mir zunehmend absurd vor. In einer persönlichen Begegnung mit Geistesgrösse Karl Popper, der mir intellektuell sowohl Barth als auch Deschner überlegen erschien, zu schweigen von Küng und Ratzinger, hörte ich den für mich schwer zu vergessenden Satz: „Die Theologie ist ein Fehler.“ Das Gegenteil konnte bis jetzt nicht bewiesen werden.
Nicht als Kritiker der Theologie, eher als skandalisierender historiographischer Erzähler wurde Deschner einer der bedeutenden Intellektuellen Deutschlands im 20. Jahrhundert sowie der wohl bestbeachtete und von einigen meistgefürchtete Kritiker des Christentums und der Kirchen in den letzten 50 Jahren. Nicht zuletzt bewährte sich der Verstorbene als herausragender Literaturkritiker, an polemischer Schärfe Marcel Reich Ranicki unbedingt ebenbürtig, aber wegen vernichtender Kritik an angesehenen Autoren wie Hermann Hesse, Hans Carossa, Gerd Gaiser, Heinrich Böll und Max Frisch nicht öffentlichkeitskompatibel. Dass er sich für Autoren wie Hermann Broch, Hans Henny Jahnn und den 1942 im Schweizer Exil verstorbenen Robert Musil stark machte, charakterisiert Deschner als sprachbewussten Förderer der literarischen Moderne. Der Platz, den er gerne eingenommen hätte, war aber schon früh durch einen Geschwätzigeren besetzt; und bei Deschners Hass auf Päpste hätte seine Installation zum „Literaturpapst“ wohl nicht seiner wahren Berufung entsprechen können.
Kulturkatholik
Ich ertappe mich dabei, in meinem inneren Gespräch mit dem Toten, Begriffe wie „Kreatur“ und „Berufung“ verwendet zu haben. Da kommt offenbar die „Category : Swiss Roman Catholic“ zum Vorschein, als der ich neben Hitler-Attentäter Maurice Bavaud, Bischof Felix Gmür, Roger Federer undRousseau-Geliebter Françoise-Louise de Warens zu meinem Erstaunen bei Wikipedia aufgeführt werde. Übrigens sogar die sozialdemokratische internationalistisch orientierte Eid-Verweigererin Micheline Calmy Rey. Insofern scheint auch Karlheinz Deschner, katholisch getauft, Carmeliter- und Franziskanerzögling, aus der Kirche wegen Heirat mit einer Geschiedenen 1951 exkommuniziert, ein „Roman Catholic“ zu sein.
Mich hätte weniger – wie Deschner – eine Exkommunikation gestört als der Zwang der Verbindung des Ehesakramentes mit der Zivilehe, einschliesslich eines inquisitorischen Fragenkataloges für den Fall, dass man eine nichtkatholische Partnerin heiraten wollte. Wie Deschner, dem die Geschichte um seine Heirat offensichtlich zugesetzt hat, hielten meine Frau und ich die Ehe noch 20 Jahre nach Deschner für etwas unbedingt Heiliges. Vor allem aber war und ist sie, wie Karl Kraus ziemlich banal festgestellt hat, „ein Eingriff ins Privatleben“. So mag Deschner seine Exkommunikation empfunden haben. An den Zölibatsdiskussionen im Umfeld der katholischen Kirche störte mich am stärksten, wie sehr dabei vergessen geht, dass die sogenannte christliche Ehe unter den Bedingungen des Individualismus und der Moderne klar noch weniger praktikabel bleibt und oft noch mehr Lügen mit sich bringt als der Zölibat. Ein weites Feld.
So wie Thomas Mann nach eigenem Eingeständnis ein Kulturprotestant war, blieb Deschner als Kulturkatholik geprägt. Rechnete er mit Päpsten, Prälaten, Beichtvätern, katholischen Königinnen und Königen, Heiligen ab: ohne katholische Sozialisation wäre Deschners Intimität von Abneigung und Gegnerschaft nicht hinzukriegen. Demgegenüber war seine Wut auf Calvin auf einem auch katholisch bedingtem Unverständnis für Konsequenz und Rigorismus beruhend; umso stärker wohl deshalb, weil man bei einem Protestanten naiverweise mehr Nähe zur Bergpredigt erwarten würde; nichts dergleichen.
Schreibender „Anti-Christ“
Zudem wollte Deschner nicht unter den Tisch gewischt haben, dass Jesus von Beruf Exorzist war, bei allzu vielen Gelegenheiten mit der Hölle drohte, was auch kirchennahe Bibelkritiker mit ihrer Neigung zum Eliminieren alles Unpässlichen schwerlich als nichtauthentisch hinstellen können. Argumentierte da Sokrates nicht auf einem ganz anderen, ethisch vernünftigeren Niveau?
Ein quellenmässig derart krass bezeugtes Ausmass an Aberglauben wollte Deschner dem umstrittenen Stifter der christlichen Religion niemals durchgehen lassen. Die historische Relativierung von Handlungen, die er als unvernünftig einschätzte, hatte bei Deschner relativ enge Grenzen, auch unter Berücksichtigung des zur Zeit der griechisch-römischen Zivilisation nicht zu unterschätzenden Grades an Aufklärung wenigstens bei den Gebildeten.
Der schreibende „Anti-Christ“ hatte die Gnade, ob er an eine solche nun glaubte oder nicht, sein zehnbändiges Grosspamphlet „Kriminalgeschichte des Christentums“, begonnen 1986, vor Jahresfrist (März 2013) noch rechtzeitig abzuschliessen. Das Leben des kämpferischen Privatgelehrten war zum grössten Teil Arbeit. Als Produkt intellektueller Redlichkeit ist sie selbst in ihren unvollkommenen Ergebnissen vielfach reichhaltiger und fruchtbringender geraten als was in manchen Bereichen von Geschichte und Theologie oft schon in der Fragestellung an eine dem jeweiligen Zeitgeist-Klüngel verhaftete „Konsens-Objektivität“ gebunden bleibt.
Die Krux der Nachrufe
Gerne hätte ich diese Zeilen Deschner zum 90. Geburtstag gewidmet. Es hat nicht mehr sollen sein. Wer aus dem Umfeld des Verstorbenen eine persönliche Todesnachricht empfing, erhielt die Mahnung, mit dem Schreiben eines Nekrologs noch zuzuwarten. Daran hielten sich die Profis nicht. Michael Meier, Herbert-Haag-Preisträger für kritische Katholiken, titelte im Tagesanzeiger „Der grosse Kirchenkritiker ist verstummt“. Treffend hielt er fest: „Keiner nahm die Doppelmoral von Helden und Heiligen so gnadenlos aufs Korn wie er, beschrieb die Projektionen und Schattenkämpfe von besonders frommen Menschen so akkurat und lotete die Fallhöhe zwischen Erhabenem und Niedrigem, zwischen Anspruch und Wirklichkeit so schonungslos aus.“
Es sind eine Menge weiterer Nachrufe erschienen, snobistisch-überheblich in der „Neuen Zürcher Zeitung“ als Echo systemstabilisierender Kirchenkritik von Hans Küng. Am schlimmsten sind freilich beim Tod eines Selber-Denkers die Schalmeien der eigenen Anhänger. „Grösster Kirchenkritiker aller Zeiten“ erinnert unfreiwillig daran, dass der historisch etwas weiter zurückliegende Teil von Deschners Kirchenkritik ganz gewiss auch zur Zeit des Nationalsozialismus, mit Vorwort des versierten Spezialisten Johann von Leers, mindestens bis 1939 so problemlos hätte erscheinen können wie das nach Prozessakten recherchierte Pamphlet „Mönche vor Gericht“ (1939) von Franz Rose. Zur Kriegszeit wurde für diesen Bestseller freilich kein Papier mehr zur Verfügung gestellt, so wie auch Stalin in höchster Not die atheistische Propaganda einstellte. Davon wird in einem späteren Abschnitt noch ausführlicher die Rede sein.
Ein „Juwel der Aufklärung“ rühmt Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung „seinen“ Deschner. Diese Anerkennung könnte man gelten lassen, hätte dieser nicht gemäss dem ausufernden Laudator Schmidt-Salomon „in seiner Sprachgewalt selbst Nietzsche in den Schatten gestellt“. Ein peinliches Lob für einen Prosaschriftsteller, der nebst guten Aphorismen wie vielleicht Marx und Engels ein ansprechendes Zeitungsdeutsch schrieb. Er war sich dieses seines Mangels sehr wohl bewusst und gestand ihn mehr als einmal öffentlich ein.
Anhänger: Gefahr des Sektierertums
Das Schaffen von Karlheinz Deschner wird im Sinn von Unterstützung und Nachfolge von der Giordano-Bruno-Stiftung begleitet. Schmidt-Salomon, der im Gegensatz zu dem für Deschner wegleitenden Schopenhauer an den Menschen und die Menschheit glaubt, also die Ideologie mit der insgesamt höchsten Opferzahl, muss sich in Acht nehmen, das Erbe Deschners nicht auf Sektenniveau hinunterzufahren. „Keine Macht den Doofen“ heisst ein Buchtitel des Deschner-Nachfolgers. Ob er sich schon damit befasst hat, etwa bei der Arbeit über „Die Politik der Päpste“, dass der Kirchenstaat nach 1851, als der berüchtigte § 143 des preussischen Strafgesetzbuches in Kraft trat, zu einem der begehrtesten Exilländer für deutsche Homosexuelle wurde? Dass man in Rom „nur“ in die Hölle kam, wofür in Deutschland später der § 175 Zuchthaus offerierte, war auch für den Humanisten Karl Heinrich Ulrichs, den Befreier der Mannliebenden, eine Wohltat.
Giordano Bruno, Klaus von Flüe und Erasmus (Exkurs)
Die Hinrichtung aber von Giordano Bruno (1548–1600) war in Rom, 47 Jahre nach Miguel de Serveto in Genf, nebst vielen anderen Schandtaten konkret die wohl grausamste Tat in der Geschichte der Philosophie. Im Gegensatz zu Jesus konnte übrigens Bruno, aufgrund einer technischen Vorrichtung in Mund und Kehle, seine Qualen nicht hinausschreien. Solche Details, die zu erzählen sind, bringen tatsächlich für die Kirchengeschichte mehr als logisch-dialektische Ableitungen von Dogmen oder kirchenrechtliche Erörterungen. Das Erzählprinzip Deschners ist insofern auch wissenschaftlich ergiebiger als die mehrheitlich langweiligen Bücher von Theologen. Dies gilt heute, wo die formalen Anforderungen nicht besser geworden sind, erst recht.
Der geniale Giordano Bruno, verbrannt am 17. Februar 1600 auf dem Campo dei fiori in Rom, dessen Religionskritik von Paracelsus mitgeprägt ist, hielt sich auch mal in der Nähe des Greifensees unweit Uster auf. Dort fand ziemlich genau 480 Jahre vor der Geburt Deschners, im Mai 1444, die blutigste Schandtat in der Geschichte der Schweiz statt, das Massaker an der 44-köpfigen Besatzung. Die Täter waren damals dem Interdikt unterstellt, also dem Verbot des Sakramentenempfangs. Papst und Bischof standen diesmal auf der Seite der Opfer, denen dies aber nichts nützte. Interessant bei dieser Geschichte ist die Rolle des Schweizer Landesheiligen Klaus von Flüe, damals Hauptmann der Unterwaldner, bekannt für seinen dem Frieden und der Milde dienenden Einfluss: An der Kriegerversammlung stimmten die Urner und Schwyzer für Verbrennen, die Unterwaldner und Luzerner aber für Köpfen. Es galt schliesslich Köpfen. Damit wird klar, was man 1444 unter „Milde“ verstand. Der Ekel vor solchen Entscheidungen liess Klaus von Flüe die Abgeschiedenheit des Einsiedlers suchen. Er wurde ein lebenslänglicher Beter und Schweiger.
Deschner, der wie Klaus von Flüe freiwillig drei Jahre Kriegsdienst leistete, in einem schlimmeren Krieg, schwieg nicht. Er wurde Ankläger. Sowohl beim Ersten wie beim Zweiten Weltkrieg waren für Deschner Päpste und Bischöfe Haupttäter, im Machtgefüge gleich hinter den Kaisern, Hitler und Stalin, so wie es bei den meisten früheren Kriegen schon gewesen sein soll. Die Rolle der Religion in Kriegen ist bekannt. Sie wurde von Erasmus von Rotterdam, Sebastian Franck, Paracelsus, Giordano Bruno, Voltaire im Prinzip schon gebrandmarkt. Was Deschner diesbezüglich zu sagen hat, war diesen Humanisten ohne die heute zugänglichen Details, aber doch im Prinzip und zum Teil aus eigener Anschauung, längst bekannt. Zwar wussten sie weniger als Deschner, aber als überragende Schriftsteller wirkten die meisten nachhaltiger als dies einem mittelmässigen Schriftsteller – es gibt heute fast nur solche – möglich ist. Die Werke und Briefe von Erasmus von Rotterdam etwa, „Das Lob der Torheit“ (statt „Keine Macht den Doofen“) und seine Satire auf Papst Julius II., der verkotzt vor die Himmelstür kommt, sind als Kirchenkritik eigentlich heute noch unerreicht. Trotzdem bleibt Deschner ein respektabler Sachbuchautor.
„Wer nicht eine Million Leser erwartet…“
Deschner ist bekanntlich, trotz Rechtbehaltens in den meisten Fällen, als Literaturkritiker wie auch als spätexpressionistischer Romanautor grandios gescheitert. Immerhin hat sein früher Roman „Die Nacht steht um mein Haus“ einige exquisite Leser gefunden, die in diesem Werk eine Pionierleistung eines modernen, sich von Rousseau abgrenzenden Naturverständnisses und darüber hinaus eine grossartige Ouvertüre zu seinem nachfolgenden Gesamtwerk sahen, sowohl was den Habitus der  Anklage, die geistesgeschichtlichen Bezüge und die ethische Bilanz betraf. Erfolg beschieden war ihm „nur“ auf dem Gebiet der Religions- und Kirchenkritik. Hier ging bei ihm die Losung des verehrten Goethe in Erfüllung: „Wer nicht eine Million Leser erwartet, soll keine Zeile schreiben.“
Nicht gelungen ist ihm ein vergleichbarer Erfolg bei seinen ethischen Traktaten im Bereich der Tierrechte, wo man aber nichtsdestoweniger von ihm noch hören wird.
Manchmal droht Kolportage
Da Deschner in der Religions- und Kirchenkritik Generalist war mit konsequentem Fokus auf das Negative (so wie ich es einst mit Kommunismus und Nationalsozialismus gehalten hatte), fiel und fällt es mir immer dort leicht, Kritik anzubringen, wo ich mehr gearbeitet habe als er, als Paracelsusforscher etwa über die Johanniter und Deutschritter. Die Kurzfassung von deren Geschichte bei Deschner, auch schon mal von Walter Hess in einer seinen Blog-Kolumnen zitiert, lautet wie folgt:
„Wie denn nur beispielhalber die Ritter des Deutschen Ordens, verpflichtet, ein Leben ,allein im Dienste ihrer himmlischen Dame Maria’ zu führen, alles vögelten, was eine Vagina hatte, Ehefrauen, Jungfrauen, kleine Mädchen und, wie wir nicht ohne Grund vermuten dürfen, weibliche Tiere. Wie es ja auch im Vatikan, lange, sehr lange, recht locker zuging, etwa – einer für viele – Papst Sixtus IV., Erbauer der Sixtinischen Kapelle und eines Bordells, noch seine Schwester und Kinder besprang, sein Neffe, Kardinal Pietro Riario, sich buchstäblich zu Tode koitierte und auch noch, Ehre wem Ehre gebührt, eines der schönsten Grabdenkmäler der Welt bekam.“
Das Beispiel ist einigermassen reizvoll für polemische Sprache, wenngleich nicht mit erläuternder Quellenkritik angereichert. Eine analoge Darstellung der US-Präsidenten John F. Kennedy und Bill Clinton sowie Mao und Benito Mussolini, Nicolas Sarkozy und François Hollande, allenfalls Willy Brandt, wäre in Sachen Verifikation wohl zuverlässiger zu bestimmen als die Kolportage über die Deutschritter und den von Heinrich Federer, einem grossen Autor, wohlrecherchiert dargestellten Papst Sixtus.
Der Einspruch Jacob Burckhardts
Über die Spitalgründungspolitik der Deutschritter und Johanniter, eine vierstellige Zahl von dauerhaften Institutionen, ihre unglaubliche chirurgische Technik bis hin zur Erstellung eines künstlichen Afters, die Pflegegrundsätze, die Logistik wäre indes auch noch das eine oder andere zu forschen, vor allem aber über ihre Kunst, ein Spitalwesen auf die Beine zu bringen, das der Nachwelt keine Schulden hinterlassen hat. Dazu der Basler Historiker Jacob Burckhardt in einem gewissen Sinn als vorweggenommene Antwort an Deschner: „Ohnhin sollten wir gegen das Mittelalter schon deshalb den Mund halten, weil jene Zeiten ihren Nachkommen keine Staatschulden hinterlassen haben.“
Der geistvolle Satz von Burckhardt, hier aus Henk Hübschers Buch „Und niemand stellt Fragen“ (2013) zitiert, hätte Deschner indes gewiss nicht zu entwaffnen vermocht. Dass er über das Negative, und zwar nicht bloss über das Koitieren der Potentaten, den Mund gerade nicht halten wollte, war und blieb seine unerbittliche Spezialität: Die Aufarbeitung von Geschichte in polemisch-didaktischer Absicht.
Eine ehrliche ungeheuchelte Würdigung, auch im Sinne von Robert Mächler, muss sich nicht in Superlativen ergehen. Deschner war ein authentischer Unzeitgemässer unserer Zeit. Wie er als Literat notfalls mit prominenten Autoren abzurechnen wusste, war Reich-Ranicki ebenbürtig, wiewohl wie dieser nicht immer gerecht. Max Frisch war, obschon alle von Deschner aufgelisteten lektorialen Beanstandungen im Details zutreffen, selten bloss ein Kitschautor, in seinen besseren Werken literarisch ausdrucksstärker als Deschner; desgleichen der ihm besonders verhasste Ernst Jünger. Ein bisschen tiefer hängen schadet aber selten. Dies gilt am meisten wohl für theologische Autoren mit Ausnahme von Meister Eckhart, Blaise Pascal, Schelling und Kierkegaard.
Darum wird der Name Deschner meines Erachtens in der Geschichte von Religion und Kirche länger halten als vielleicht Namen wie Küng, Rahner und Drewermann.
Zorn gegen kirchliches Pfründenwesen
Hans Küng, dem gemäss Memoiren in seiner Jugend (im Gegensatz zu seinem Lehrer Josef Vital Kopp) der Antisemitismus in seiner eigenen Heimatgemeinde Sursee nicht aufgefallen ist, glaubte sich gemäss Robert Mächler über „die ewige Fortschreibung der kirchlichen Skandalchronik“ bei Deschner lustig machen zu können. Als Begründer einer Mainstream-Ethik politischer Korrektheit, auf der Basis eines staatlichen statt kirchlichen Instituts, ist Küng sowohl vom Lehrstil wie auch vom Auftreten das akkurate Gegenteil von Karlheinz Deschner. Derselbe hat sich stets auch mit massivem Zorn gegen das kirchliche Pfründenwesen und die staatsgarantierte Kirchensteuer gewandt, ein von den Mitprofiteuren nie kritisiertes Relikt aus der Zeit der Leibeigenschaft. (In der Schweiz wurde das System freilich demokratisiert, weswegen es noch schwerer aufzuheben ist.) Dass Deschner nicht nur an Dogmen Kritik übte, was heute zur Selbstimmunisierung eines korrumpierten Apparats bei Theologen längst selbstverständlich geworden ist, sondern am System Kirche selbst keinen guten Faden lässt, erregte den wahren, eine Integration Deschners in den innerkirchlichen Dialog kaum mehr ermöglichenden Anstoss.
Deschner wie Kurt Flasch nicht bloss biographisch „erklären“
Die Werke Deschners werden wohl auch deswegen gerne gelesen, weil Millionen Menschen durch ihre kirchliche Sozialisierung nebst allfälliger Orientierung und kultureller Prägung (letztere ist auch beim katholischen Internatsschüler Deschner unauslöschlich) vielfach bleibende seelische Verletzungen eingefangen haben. Dies war auch der Fall bei Deschner, der 1951 durch seine Heirat mit einer geschiedenen Frau aus der Kirche exkommuniziert wurde. Aber ähnlich wie Mystik-Kenner Kurt Flasch, dessen im Geiste unserer Thematik aktuelles Buch „Warum ich kein Christ bin“ (C.H. Beck 2013) den besten Texten Deschners und Mächlers ebenbürtig, wenn nicht überlegen scheint, bestreitet Deschner, persönlich nur negative Erfahrungen mit gläubigen Katholiken, auch Klerikern, gemacht zu haben.
Bildungsgeschichtlich macht die Bilanz bei Deschner und Flasch über dem Strich sogar einen positiven Eindruck. In einem heutigen, mehr laizistischen Gymnasium hätte der Kirchenkritiker und der Mystikkenner – wie die Autoren Arnold Stadler, Niklaus Meienberg, Thomas Hürlimann u. a. – schlechtere Bildungsgrundlagen für ihre spätere Arbeit mitbekommen. Es bliebe, wie bei Kurt Flasch, dem Eckhart-Kenner, falsch, das Engagement Deschners auf eine persönliche Abrechnung zu reduzieren. Erst recht nicht war dies beim früheren Karl-Barth-Anhänger und Deschner-Promotor in der Schweiz, Robert Mächler, der Fall. „Die hasserfüllten Augen von Herrn Deschner“ sind zwar Titel eines Fernsehfilms von Ricarda Hinz mit einem montierten Streitgespräch, aber keine Realität für irgendjemanden, der mit Karlheinz Deschner selber im Dialog war.
Solidarität mit Widersprüchen
Wenn schon, bedrücken bei Deschner eher die traurigen Augen eines Menschen, in dessen Werk selbst auch Witze über Glaube und Kirche eine nur geringe Rolle spielen. Dass er es allerdings mit den Tierrechten eher noch radikaler nimmt als der heilige Franz von Assisi, hier kritisch über Peter Singer hinausgehend, ist beeindruckend. Mit Ausnahme des menschlichen Embryos, der für Deschner nach katholischer Zwangsmoral ausgetragen werden muss, damit die geborenen Kinder dann als Kanonenfutter verheizt werden könnten, scheint die Solidarität des Vegetariers mit allem Lebendigen fast unbegrenzt.
Ehrlich gesagt macht fast jeder und auch jede Ideologie beim Lebensschutz Ausnahmen. Deschner wollte jedoch mit seinen Ausführungen, das von ihm verteidigte Recht auf Abtreibung betreffend, weniger die Heiligkeit des Lebens in Frage stellen als die klerikale Doppelmoral anprangern.
„Ich bin kein ausgeklügelt Buch, ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch.“ Die Charakterisierung von Conrad Ferdinand Meyer, den streitbaren Polemiker und Ritter Ulrich von Hutten betreffend, gilt auch für Karlheinz Deschner. Polemiker sind regelmässig Gescheiterte, was aber noch lange nicht heissen muss, ihre Anklage sei nicht ernst zu nehmen. Zumal Deschner sich als einen radikalen Aufklärer versteht, mit maximal verurteilendem moralischem Impetus, darf nicht übersehen werden, wie er nach vielfachen Irrungen und Wirrungen zu seiner Lebensaufgabe gefunden hat. Mit Relativierung derselben hat dies nichts zu tun, so wenig wie der Befund, dass Indianerbefreier und Kolumbus-Weggefährte Bartlomé de Las Casas (1484–1566) ursprünglich selber ein Kolonist war, der übrigens wie später Deschner keine Mühe bekundete, persönliche Schwächen einzugestehen. 99 Prozent der Verbrechen an den Indios, die Las Casas schilderte, kannte er nur vom Hörensagen. Bei wohl mindestens einem Prozent war er als Zeuge dabei. Bei Deschner stammen, von allfälligen Kriegserlebnissen abgesehen, fast 100 Prozent des von ihm vermittelten Wissens aus gedruckten Quellen, nicht immer Primärliteratur.
Kirchenkritik bei Nationalsozialisten und Kommunisten
Die meisten Bände seiner Kriminalgeschichte des Christentums, die mit dem frühen 18. Jahrhundert enden, hätte Deschner – jenseits von Anspielungen an die Gegenwart – auch zur Zeit des Nationalsozialismus veröffentlichen können. Die Abrechnung mit dem Christentum und den Kirchen, speziell der katholischen, entsprach einem Ideologien übergreifenden säkularen Bedürfnis, in dem sich Radikal-Liberalismus, Sozialismus, Kommunismus und auch progressive, mit einer langfristigen Revolution liebäugelnde Nationalsozialisten einig waren.
Deswegen recherchierten Heinrich Himmler und Martin Bormann für die Zeit nach dem Krieg über Hexenprozesse und – im Hinblick auf eine Abrechnung mit der katholischen Kirche nach dem „Endsieg“ ‒ über pädophile Priester, liessen dann und wann zur Bekämpfung des christlichen Widerstandes auch Beichtväter aushorchen.
Eine der bemerkenswertesten Publikationen des Jahres 1939, in mindestens 3 Auflagen erschienen, trägt den Titel: „Mönche vor Gericht. Eine Darstellung entarteten Mönchslebens nach Dokumenten und Akten. Klösterlicher Sittenzerfall. Devisenschiebungen im Nonnenkleid. Die Untaten des Priesters Leo Vigill. Aktfotos im Beichtstuhl. Über den Zwang des Zölibats. Der Staat wird die Sexualpest ausrotten.“ Usw. Für diesen sensationellen Bestseller gab es aber dann zur Zeit des Krieges keine Papierzuteilungen mehr, eher schon für Russland-Novellen des dem Widerstand nahestehenden katholischen Dichters Reinhold Schneider oder Bauerngeschichten von Hebelpreisträger Alfred Huggenberger aus dem Thurgau.
Mit dem Hinweis auf nationalsozialistische oder sonstwie ideologisch motivierte Kirchenkritiker soll die Tätigkeit Deschners nicht via Nazikeule relativiert, bloss wertungsfrei ein geistesgeschichtlicher Zusammenhang erstellt werden. Der nicht habilitierte Professor Johann von Leers, Herausgeber eines repräsentativen, durchaus recherchierten kirchenkritischen Werks aus der Zeit des Dritten Reiches, wurde später ein Weggefährte des ungefähr gleichzeitig zum Islam mitkonvertierten Schweizer Publizisten Ahmed Huber und arbeitete bis zu seinem Tod 1965 unter Gamal Abdel Nasser als erwünschter „Experte“ für antizionistische Propaganda. Leers, in Kairo 1965 verstorben, war schon zur Nazizeit vor allem als konsequenter Antisemit ein rabiater Gegner des Christentums gewesen, wurde in Ägypten wie der Schweizer Protestant Albert, später Ahmed Huber, Muslim.
Letzterer, mit dem ich für Fragen des Islam einen in der Regel ergiebigen Kontakt pflegte, bekannte sich mir gegenüber wiederholt als Deschner-Leser. Er kannte als langjähriger Ringier-Journalist auch Robert Mächler und den kommunistischen Intellektuellen Konrad Farner. Mit Leers hatte er in der Zeit seiner Konversion in Ägypten gute Bekanntschaft gepflegt, auch als „Fan“ von Wüstenfuchs Rommel. Insgesamt hielt Huber den Islam für die humanste aller Religionen, worüber ich mich mit ihm aber so wenig einigen konnte wie mit Mächlers später Fundamentalkritik an allem Christlichen. Bei telefonischen Diskussionen mit Huber, die selten unter einer Stunde zu bestreiten waren, schloss ich nie aus, dass wir vom Staatsschutz abgehört wurden.
Keine Kriminalgeschichte des Islam
Huber, zu Lebzeiten der unverfrorenste Kenner des Islam in der Schweiz, mit einem Verhältnis zu Adolf Hitler wie etwa dasjenige Wladimir Putins zu Josef Stalin, war entgegen seines fürchterlichen Rufs als Terroristenfreund, intellektuell fast jedem Linken und besonders Theologen bzw. Theologinnen ebenbürtig. Im Gegensatz zu Religionswissenschaftlern und Religionswissenschaftlerinnen wusste er, wie die Dinge sich konkret verhalten. Analog zum keineswegs gemässigteren, von Maos Kulturrevolution begeisterten Konrad Farner – in der Schweiz von öffentlichen Diskussionen unter Gebildeten in der Regel ausgeschlossen. Sein Berufsverbot als Ringier-Journalist war milde, bestand aus Frühpensionierung, der Ausschluss aus der Sozialdemokratischen Partei legitim. Der Leser von Deschner zeigte Verständnis für die Volksinitiative betr. ein Minarettverbot, schätzte mir gegenüber das Gedankengut von Klaus von Flüe als mit dem Islam kompatibel ein. Zum Islam war er, Huber, als Unterstützer der algerischen Unabhängigkeitsbewegung gekommen. Wie Mächler und Farner gehörte er zu den Aussenseitern, gewissermassen den „Spinnern“ im schweizerischen Geistesleben. Auf Originale dieser Art, die Randfiguren des Diskurses, hat Deschner immer wieder mal Einfluss ausgeübt. Letztendlich wurde er aber auch bei Einflussreichen, etwa Redakteuren im Bereich von Theologie und Kirche, nicht zuletzt zweifelnden Kirchenmitgliedern und Halt suchenden Ausgetretenen, mehr gelesen als manche Werke von Theologen oder gar päpstliche Enzykliken.
Deschner hat die Kriterien seiner Kritik am Christentum auf den Islam nicht angewandt, hält sich jedoch in seinen religionskritischen Werken an ausschweifender Zitierung brutalster Stellen aus dem Alten Testament, in Volksbibeln regelmässig geschönt, nicht zurück. Eine Kriminalgeschichte des Islam hätte sich Deschner wohl auch bei 120 Jahren Lebenszeit nicht angetan, dafür fehlte ihm der für die gewaltige Arbeit ausreichende Wut-Impetus. Bei zehn Bänden Kriminalgeschichte des Christentums wäre jedoch ein Band über das Judentum eigentlich „normal“ gewesen, zumindest theoretisch zulässig. Damit hätte er sich aber für seine Hauptaufgabe, die Kritik am Christentum und an den christlichen Denominationen, unmöglich gemacht. Überdies wäre eine Kriminalgeschichte des Islam, der letzten noch voll virulenten monotheistischen Religion, in der Art von Deschner als Publikation bei einem Spitzenverlag mit Übersetzungen in viele Sprachen nach wie vor nicht praktikabel und für den Autor lebensgefährlich.
Wenn schon ein islamkritisches Zitat von Papst Benedikt XVI. weltweit Tote forderte, was wäre dann wohl bei einer Kritik auf der Grundlage der bei Deschner jeweils üblichen Diktion zu erwarten gewesen?
Tradition der Aufklärung
Für eine einigermassen problemlose, den Bedürfnissen des Feuilletons und des heutigen Buchhandels entsprechende Rezeption blieb also fast nur die Kriminalgeschichte des Christentums übrig. Deschner hat sie geleistet, wenngleich nur als ewiges Fragment. Sein Kritikanliegen war im Prinzip schon seit der Aufklärung thematisierbar, etwa beim schweizerisch-niederländischen Aufklärer Jean Barbeyrac, der schon um 1720 die Aufarbeitung des Justizmordes an Miguel de Serveto durch Calvin und die Schweizer Protestanten (mussten sich mit der Hinrichtung solidarisieren) im Jahre 1553 verlangte. Zu den grossartigsten Durchbrüchen kirchenkritischer Aufklärung gehört Voltaire mit seinem Aufgreifen des Falles Calas in Ferney, wobei freilich Arouet als Autor, Philosoph und religiöser Mensch in seiner eigenen Liga spielte wie nachmals im 20. Jahrhundert vielleicht Friedrich Dürrenmatt. Dessen theologischer Hintergrund war weder mit demjenigen Deschners noch anderer zeitgenössischer Autoren zu vergleichen, erinnerte eher an Albrecht von Haller und Jeremias Gotthelf.
Deschner musste weder Voltaire noch Dürrenmatt sein. Er war dafür fleissiger, obwohl man seine Arbeit normalerweise nicht als Recherche bezeichnen darf. Eine solche betrieb zum Beispiel der Theologe Carsten Peter Thiede (1952–2004) als Archäologe und Papyrologe in Israel, oder betreibt heute der in Zürich von der Condrau-Clique ausgebootete Medizinhistoriker Urs Leo Gantenbein als Handschriftenerforscher der revolutionären, radikal kirchenkritischen Theologie von Paracelsus, welcher den herrschenden Kirchen wie später Deschner die Arbeitsdevise „Henk, würg, verprenn, ertränk“ unterstellte.
Weil es aber durchaus ein Bedürfnis nach Gesamtdarstellungen gibt, sogar nach solchen, die einen „einseitigen“ Gesichtspunkt fokussieren, gibt es an der Lebensaufgabe von Karlheinz Deschner wenigstens grundsätzlich nichts zu mäkeln. Ein Engagement seiner Art war, wenigstens gegen die katholische Kirche, auch Schweizer Liberalen nicht fremd, etwa dem Aargauer Klosteraufheber, Regierungsrat und Pädagogikpionier Augustin Keller (1805–1883). Desgleichen hatte Religionskritik stets auch eine feste Tradition in kommunistischen Ländern, bis hin zur Legitimation „atheistischer Propaganda“. Diese Tendenzen wurden aber sowohl von Hitler wie auch von Stalin während der Zeit des 2. Weltkrieges weitgehend eingestellt, Stalin selber soll in der kritischsten Phase des Krieges 1942/43 regelmässig in einer Kapelle des Kremls gebetet haben. Noch Michail Gorbatschow, der mit seiner Perestroika ursprünglich den Sowjetkommunismus retten wollten, forderte in seiner epochalen Rede von 1985 hoffnungsvoll die Erneuerung der „atheistischen Propaganda“, vermutlich nicht zum Kampf gegen die Orthodoxie (KGB-Agent Putin war getauft und liess seine Kinder taufen), sondern wohl eher als zwar nutzlose Massnahme gegen den heraufdämmernden Islamismus auch in damaligen Sowjetrepubliken.
Abgeschlossen wurde das Magnus Opum einer „Kriminalgeschichte des Christentums“ im Jahre 2013 mit dem 10. Band, den Untaten eines protestantischen schwedischen Königs zu Beginn des 18. Jahrhunderts gewidmet, auch mit einem Kapitel über die russisch-orthodoxe Kirche, nicht gerade einem Spezialgebiet des Nichtslawisten Deschner. Hier würde es sich lohnen, sich mit Franz von Baader (1765–1841) auseinanderzusetzen. Wie schon ausgeführt, war Deschner aber nicht Spezialist, sondern Generalist, vor allem selektiver Verwerter von Sekundärliteratur, was ihn mit den prominenteren unter den Theologieprofessoren verbindet. Weil er immer etwas zu erzählen hat, und zwar dasjenige, was man neben Theologischem unbedingt auch noch wissen möchte, die Macht-Intrigen, kleine, grössere und ganz grosse Schweinereien, ist fast jedes Kapitel von Deschner lesenswert, als Provokation des Spezialisten sogar der oben zitierte Aperçu über die Koitierungsgewohnheiten der Deutschritter und von Papst Sixtus.
Ausserdem behält sich bei einem „kriminalistischen Ansatz“ aus der Sicht des Anklägers, kaum je aus der des Verteidigers, die schärfstmögliche Unterstellung dem Leser gut im Gedächtnis. Mir ist das bei Recherchen um den Pädophilenprozess gegen den Priester und Schriftsteller Heinrich Federer in Stans aufgefallen. Die Anklageschrift war trotz letztendlicher Beweisnot und politisch einzuschätzendem Freispruch in 2. Instanz (die 1. Instanz war liberal, die 2. katholisch-konservativ beherrscht) so formuliert, dass der Angeklagte für die nächsten 120 Jahre erledigt war. Das Prinzip, nur die Anklageschriften zu zitieren, kann dann und wann eine Funktion haben, einerseits im Kampf gegen einen weltanschaulichen Gegner, andererseits aber doch auch, um eine Diskussion aufrechtzuerhalten. Die Regel, für die Feststellung historischer Wahrheit Gerichtsurteile als sakrosankt zu erklären, wie von Wladimir Putin in der Diskussion um den 2. Weltkrieg und den Stalinismus vorgeschlagen, führt zu einer Geschichtsschreibung der Herrschenden. Die Darstellung der Religions- und Kirchengeschichte war einer solchen Tendenz traditionell stark ausgesetzt. Hier wollte Deschner Gegensteuer geben.
Deschner überschätzte oftmals die Macht der Kirche
Allerdings schätzte Deschner die Macht von Kirche und Religion regelmässig falsch ein. Das weiss ich unter denjenigen Themen, die ich etwas näher kenne, so die Hexenprozesse in der Zentralschweiz und im Uechtland, allenfalls die Geschichte des Hauses Habsburg einschliesslich der auch von Enzensberger behandelten Geschichte des Dominikanermönchs Bartolomé de Las Casas, dem Chronisten des Völkermordes an den Indianern. Las Casas war, abgesehen davon, dass er diverse Verbrechen der Spanier unmittelbar gesehen hat, so etwas wie ein Deschner des 16. Jahrhunderts und deswegen in der spanischen Geschichtsschreibung, zum Teil auch in der Kirchengeschichtsschreibung, ähnlich verhasst. Seine „Brevissima relaçiòn“ ist die wohl fürchterlichste Anklageschrift in der Geschichte der Christenheit, historisch unzuverlässig, trotzdem eindrucksvoll, wurde von der Inquisition weitgehend ernst genommen mit Konsequenzen in Richtung einer fatalen Indianerbefreiung mit „Negern” als Ersatzsklaven.
In der Innerschweiz zum Beispiel hatte die Inquisition zurzeit von Klaus von Flüe so gut wie nichts zu gebenedeien. Die Hexenprozesse beruhten auf damaliger Demokratie, und wenn die Kirche gegen den von der Inquisition verdächtigten Klaus hätte vorgehen wollen, wäre der Inquisitor, der Weihbischof von Konstanz, von den Eidgenossen totgeschlagen worden.
Deschner übersieht bei den Hexenprozessen, wie dabei eine modernisierte, im Prinzip „aufgeklärte“ Justiz beginnt, mit Diktatur der Experten und ersten Ansätzen eines neuzeitlichen Umweltrechts. Dass der Mensch Einfluss auf Wetter und Klima hat, und die dafür Verantwortlichen bestraft werden müssen, bleibt eine nachhaltige Errungenschaft der Hexenprozesse. Und wie hätte man, zum Beispiel in Obwalden, ohne Kantonschemiker, bei Lebensmittelvergiftungen anders vorgehen wollen als mit einem Hexenprozess der Barockzeit gegen zwei Frauen aus der herrschaftsfähigen Schicht, Katharina und Margaretha von Flüe? Es gab nämlich, nach dem Verursacherprinzip, keine andere Möglichkeit, die verantwortlichen Spezereihändlerinnen zur Rechenschaft zu ziehen. Zu einer Zeit, da bei frühen Thermometern von „Geisterchen im Glas“ gesprochen wurde, konnten auch manche Vergiftungen schwerlich anders erklärt werden als mit „geistigen Ursachen“. Zu deren Feststellung diente der Hexenprozess.
Um zu solchen, die Katastrophe der Hexenprozesse keineswegs relativierenden Ergebnissen zu kommen, genügt es indes nicht, wie Deschner zu Hause morgens um vier Uhr aufzustehen und den ganzen Tag niederzuschreiben, was man einer auch noch so kritischen Bibliothek entnommen hat. Die Arbeit in den Archiven ist mühsamer, die Öffnungszeiten sind schikanös, Fotokopieren und gelegentlich sogar Fotografieren vielfach verboten und die Handschriften liest man schnell mal falsch. Was in Überblickswerken steht, kann selten zum Nennwert genommen werden, eher zum Anlass, es noch genauer wissen zu wollen.
Von der Deschner-Lektüre profitieren
Trotz dieser Einwände bleibt die monomanische Arbeitsaskese Deschners zu bewundern und überhaupt seine Suche nach einer polemischen Synthese, wenn es das gibt. Wann immer ich mich wieder an eine neue Aufgabe machte, ein kirchennahes Thema literarisch zu verarbeiten, etwa einen Oratoriumstext zu schreiben über die Kaiserin Helena, ihren Sohn Konstantin und die Kreuzauffindung, las ich Deschner. Es genügte in keinem einzigen Fall. Hätte ich aber Deschner nicht gelesen, die Gefahr, es idyllisch, verkitscht oder schlicht verlogen zu machen, wäre grösser geworden als sie es ohnehin ist.
Bei allem, was Quellenkenner daran beanstanden können, waren seine Publikationen über alles gesehen doch notwendiger und wohl auch in der Wirkung nachhaltiger als was die meisten deutschsprachige Theologen in den vergangenen 50 Jahren in den Druck gegeben haben und was ich immer wieder zu lesen versuche. Deschners Rang als der eines Intellektuellen mit kritischem Hasspotential – etwas mehr Liebe blieb dem Heimatschriftsteller vorbehalten – wäre noch vorzüglicher gewesen, hätte er seine Aufgabe dann und wann auch ironisieren können. Dafür sind, nach Deschner, die Schweinereien viel zu empörend gewesen.
Selber lernte ich zwei weibliche Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz kennen, deren Erzählungen keineswegs frei von Schmunzeleinheiten waren. Die eine, später ausgebildete Sexologin und Porschefahrerin, erwies sich als wahre Meisterin in der Kunst, das Überleben zu geniessen. Sie wäre niemals ein weiblicher Karlheinz Deschner geworden, weder historisch noch vegetarisch noch mit vergleichbar traurigen Augen.
Verlegenheit bei kirchlicher Beisetzung
Zu den schönsten persönlichen Texten, die von Deschner sogar aus dem Netz zu lesen sind, gehören seine Erinnerungen an seinen Weggefährten Hans Wollschläger, der seinerseits auf das Verschwinden der christlichen Kirchen gehofft hatte und der dann am Ende doch kirchlich beerdigt wurde. Meine Bemühungen im aargauischen Verfassungsrat für die kantonsweite Garantie ziviler Abdankungsdienste mit der Ermöglichung würdiger Rituale wurden 1975 auch von Pfarrern aus der sozialdemokratischen Fraktion mit der Begründung ihrer Überflüssigkeit erfolgreich zurückgewiesen. Heute ist meine ehemalige Schülerin, die Basler Philosophin Martina Bernasconi, auf diesem Gebiet als veritable Konkurrenz des Klerus tätig. In Bayern ging es, bei der Verabschiedung von Deschner-Freund Wollschläger, keineswegs weltlich zu. Deschner schreibt:
„Gegen die Religionen, zumal gegen das Christentum, hat Hans Wollschläger jahrzehntelang geschrieben und gesprochen – und wurde am 1. Juni 2007 in Königsberg/Bayern durch einen christlichen Pfarrer beigesetzt unter wiederholtem Bimmeln der Kirchenglocke, wiederholtem Zitieren der Bibel, wiederholtem Beschwören des ‚Herrn‘ – bis hin zum ‚Vater unser‘ und dem Segnen der ‚Gemeinde‘. Und hätte ich nicht, als der Geistliche das Kreuz schlug, mich nicht beinahe selber bekreuzigt?“
Dem Vernehmen nach will Karlheinz Deschner, da die Kremation heute nicht mehr wie zur Zeit des Luzerner Erstkremierten Carl Spitteler als Leugnung der Auferstehung gilt, wie seine Mutter im biblischen Sinn von „Würmern zerfressen“ und also nicht in einem Krematorien verbrannt werden, wohl sogar im Sinne einer Hommage an die Leiblichkeit, als deren Anwalt er als Ethiker wiederholt aufgetreten ist.
Vorschlag für Epitaph
Ich werde Karlheinz Deschner, einem grundanständigen Menschen, einem der wenigen Ethiker, der seine Überzeugungen in seltener Konsequenz gelebt hat, für immer ein mich mahnendes Andenken bewahren. Den Menschen, denen er wegleitend wurde, entbiete ich mein herzhaftes Beileid. Die Menschen, mit denen ich Deschner begegnete, etwa Walter Hess, Woldemar Muischneek und Christoph Bopp, betrachte ich auch über das Andenken Robert Mächlers als meine Freunde und Weggefährten.
Eine Grabinschrift? Gotthold Ephraim Lessing schlug beim Tod von Voltaire, an die Adresse von dessen Gegner, ein Epigramm vor:
„Hier ruht, wenn man euch glauben wollte,
Der Kerl, der längst hier liegen sollte.“ 
 
Weitere Blogs zu Karlheinz Deschner

 

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http://www.mainpost.de/ueberregional/kulturwelt/kultur/Religionskritiker-Karlheinz-Deschner-ueber-die-Kriminalgeschichte-des-Christentums;art3809,4726314

Religionskritiker Karlheinz Deschner über die Kriminalgeschichte des Christentums

 

Das Gespräch führte Ralph Heringlehner 01. Oktober 2008
11:46 Uhr Aktualisiert am:
06. Oktober 2008
15:09 Uhr

Übersetzung auf Spanisch : arlheinzdeschner_x-2008_traduccion

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„Mit der überlieferten Lehre Jesu hatte das Christentum nie viel zu tun“ – Kardinäle in Rom. Foto: FOTO CINETEXT

Sie hat sich zum Lebenswerk ausgewachsen: Seit 1986 arbeitet Karlheinz Deschner an der „Kriminalgeschichte des Christentums“. Der soeben bei Rowohlt erschienene Band 9 behandelt die Zeit von der Mitte des 16. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts. Das auf zehn Bände angelegte Werk macht den in Haßfurt lebenden Schriftsteller zu Deutschlands profiliertestem Kirchenkritiker. Ein Gespräch mit dem 84-Jährigen studierten Theologen und promovierten Germanisten über die Kirche, ihre Macht, deren Missbrauch und die Lehre Jesu.

Frage: Herr Deschner, Sie arbeiten nun seit über 20 Jahren an der „Kriminalgeschichte des Christentums“. Erste kirchenkritische Schriften von Ihnen erschienen vor über 50 Jahren. Was hat Sie über diesen langen Zeitraum hinweg motiviert?

Karlheinz Deschner: Schlicht die Tatsache, dass ich Unrecht nicht leiden kann, dito Heuchelei. Zumal wenn man beide in welthistorischen Dimensionen praktiziert; wenn man, ganz systematisch, das Geschehene umfälscht; aus Massenmördern Heroen, Vorbilder, „die Großen“ macht, aus Gaunerchen und Gaunern „Heilige“; wenn man das himmelschreiende Unrecht der „Heilsgeschichte“ von Jahrhundert zu Jahrhundert in lammfromme Sprüche verpackt, in unverschämte Lügen. Oder rief nicht schon Helvétius: Wenn man ihre Heiligenlegenden liest, findet man die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern?

Sie haben akribisch Gräueltaten, Völkermorde, Folterungen aufgezeigt, die über die Jahrhunderte hinweg von Menschen an Menschen verübt wurden – die Schuld daran suchen Sie im christlichen Glauben. Aber ist tatsächlich der Glaube, die Religion daran schuld – oder ist nicht der Mensch von vorneherein böse und zum Frieden unfähig? Gräueltaten werden auch im Namen anderer Religionen verübt. . . man denke nur an den 11. September 2001.

Deschner: Aber entlastet es denn das Christentum, dass auch andere Religionen kriminell sind? Voran die monotheistischen, die kraft des Auserwähltheitsanspruchs ihrer „Offenbarungen“ etwas besonders Chauvinistisches haben, die extrem gewalttätig sind? Entlastet es denn einen Verbrecher, dass auch andere Leute Verbrecher sind? Und wenn der Mensch von vornherein böse war, ich weiß es nicht, entbürdet dies das Christentum, das gerade seine größten Scheußlichkeiten stets im Namen Gottes und der Religion begangen hat? Sklaverei, Inquisition, Indianerausrottung, Kreuzzüge, Kreuzzüge in alle Himmelsrichtungen, überhaupt ungezählte Gemetzel (im 17. Jahrhundert führten christliche Staaten nur in einem einzigen Jahr keinen Krieg!) bis hin zu den von allen Kirchen fanatisch geförderten Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Was den„11. September“ betrifft, bleibt erst noch abzuwarten, ob ein islamisches Monsterdelikt dahintersteckt oder ein christlicher Staatsakt sozusagen, der übrigens sehr an Pearl Harbor denken lässt auf der Hawaii-Insel Oahu, wo am 7. Dezember 1941 Franklin Delano Roosevelt, der Präsident der Vereinigten Staaten, einen Großteil der US-Pazifikflotte kühl kalkuliert in den Meeresgrund bomben ließ und fast zweieinhalb Tausend amerikanische Soldaten dazu, um einen Kriegsgrund gegen Japan zu bekommen.

Ob die Welt wohl friedlicher wäre, wenn man die Religion aus den Köpfen herausbringen könnte? Ich fürchte, dann würden die Machtgierigen andere Vorwände finden, um ihre Macht gewaltsam auszuweiten oder zu zementieren.

Deschner: Ohne Religion, ohne institutionalisierte Religion, wäre ein gewaltiger Faktor des Unfriedens beseitigt, aber gewiss nicht der Unfrieden an sich. Die Mächtigen, Sie haben recht, fänden andere Vorwände für die Ausübung ihrer Macht. Denn Macht ist da alles. Ohne Macht sind Machthaber nichts und vermögen sie nichts. Das ganze große Welttheater hat sich immer zuerst und zuletzt um Macht gedreht. Macht aber führt früher oder später zu Gewalt. Und Gewalt führt zu Verbrechen. Jede Weltmacht wurde Weltmacht durch Verbrechen, neben denen alle Werke der Unterwelt verblassen.

Sehen Sie über die Jahrhunderte hinweg eine Entwicklung zum Besseren? Zu mehr Toleranz, zu mehr Friedfertigkeit bei den christlichen Kirchen? Schließlich führt der Papst keine Kriege mehr gegen Heiden . . .

Deschner: Nein, Kriege, Kriege in eigener Regie, führt der Papst inzwischen keine mehr, nicht mehr gegen Heiden und nicht mehr gegen Christen, weil man ihm alles, womit er jahrhundertelang Kriege geführt, weggenommen hat – Truppen, Generäle, Schlachtschiffe, Kanonen, Festungen, Waffenfabriken. Doch gibt es Möglichkeiten, die Menschheit auf andere Weise, gleichsam friedlicher, zu bekämpfen. Ideologisch, durch dogmatischen Wahnsinn, der sich ja nie mit dem bloßen Glauben begnügt, der „missionieren“, ausgreifen will; durch Unterstützung einer desaströsen Gesellschaftsmoral, die die Armen zugunsten der Reichen betrügt; durch eine desaströse Sexualmoral, die im Mutterschoß schützt, was sie preisgibt im Krieg; durch das Verbot der Empfängnisverhütung, das noch Opfer fordern könnte, wenn es gar kein Papsttum mehr gibt, aber Opfer solange Menschen leben werden und sterben. Im Übrigen ist das Papsttum, seine ganze Geschichte beweist es, intolerant durch und durch, ist tolerant nur, wenn es die Opportunität erheischt, wenn es zweckdienlich ist, wenn es einfach nicht mehr anders geht, aber nur dann!

Dass Bücher wie die Ihren erscheinen können – ist das nicht Zeichen einer Verbesserung?

Deschner: Ach ja, so fragt man häufiger. Auch ich selbst soll der leibhaftige Gegenbeweis meiner kirchenfeindlichen Haltung sein. Denn wären, sagt man, meine Gegner wirklich so schlecht, wie sie bei mir erscheinen, würde ich dann noch leben? Aber könnte ich nicht, frage ich zurück, vielleicht gerade diesem Gedankengang mein Leben verdanken?

Die Verbesserung ist also nur eine vermeintliche – ist sie einfach nur der Tatsache geschuldet, dass die Kirche an Macht eingebüßt hat?

Deschner: Natürlich ist die „Verbesserung“ bloß scheinbar, ist sie erzwungen. Seit Paulus, das heißt von Anbeginn, und gerade von Anbeginn an, lebt das Christentum von der Anpassung. Und gar keine Frage: Man hat nicht erst heute weniger Macht. Aber man hat noch Macht, teilweise enorme Macht. Doch man operiert subtiler, ja. Man täte wenig lieber, als unsereinen zu foltern und zu verbrennen, „schön von unten herauf“, hätte man die Macht dazu. Kein Geringerer aber als der englische Schriftsteller und Konvertit Gilbert Keith Chesterton konnte sich gut eine Zukunft denken mit dem ganzen Apparat der Inquisition, mit Tortur und Scheiterhaufen.

Wer Ihre „Kriminalgeschichte“ liest, kommt zu der Erkenntnis, dass das Christentum nicht mehr viel mit der Lehre Jesu zu tun hat. Wie konnten die Ursprünge in Vergessenheit geraten?

Deschner: Mit der überlieferten Lehre Jesu hatte das Christentum nie viel zu tun. Wir wissen ja nicht einmal annähernd, was Jesus gelehrt hat. Die Evangelisten, das betont die gesamte kritische Bibelwissenschaft, hatten an historischer Realität überhaupt kein Interesse. Ihre von Ungereimtheiten und Widersprüchen nur so strotzenden Schriften sind mythologische Literaturprodukte, Erzeugnisse der gläubigen Gemeindefantasie, sind nur, wörtlich, mit äußerster Vorsicht zu benutzende „Anekdotensammlungen“. Einmütig ferner erklärt die moderne historisch kritische christliche Theologie, dass sich auch von Jesu Leben so gut wie nichts mehr erkennen lasse. Zwar hält sie an seiner Existenz als solcher fest. Doch sicher ist auch dies nicht. Es spricht eben so viel dafür wie dagegen – die Profangeschichte jener Zeit ist unergiebig. Ob aber historisch oder nicht, fest steht: Der Gründer des Christentums ist nicht Jesus, sondern Paulus. Und weit wichtiger noch: Nichts im Christentum ist originell. Vom zentralsten Dogma bis zum periphersten Brauch ist alles, restlos alles, schon vorher da gewesen, im Judentum, im Hellenismus, in der indischen Geisteswelt.

Können Sie Beispiele nennen?

Deschner: Trinitäten, die Messias-Idee, die Naherwartung des Endes, vom Himmel kommende Gottessöhne, vom „Vater“ gesandte Erlöser, Jungfrauensöhne, die Geburt in der Krippe, die Geschichte vom leeren Grab, Himmelfahrten lebendigen Leibes. Natürlich gab es Wunder massenweise. Man lebte, schreibt der Theologe Trede, denkend und glaubend in einer Wunderwelt wie der Fisch im Wasser. So gibt es auch kein Wunder in den Evangelien, das nicht schon vorher gewirkt worden wäre, ob Geisteraustreibungen, wunderbare Speisevermehrungen, ob Wandel auf dem Wasser oder Totenerweckungen. Es gab Wallfahrtsstätten wie heute Lourdes, gab eine sakramentale Taufe, ein sakramentales Mahl, überhaupt die Siebenzahl der Sakramente, die Zwölfzahl der Apostel, den Verräter. Es gab leidende, sterbende und wieder auferstehende Gottessöhne, auch nach drei Tagen oder am dritten Tag wieder auferstehende, es gab gekreuzigte Götter. Die Dionysos-Gemeinden haben ihren Gott über einem Altartisch mit Weingefäßen am Kreuz verehrt. Genug– man könnte, ich übertreibe nicht, stundenlang oft bis in die kleinsten Gemeinsamkeiten gehende Details aufzählen, und gläubige Zweifler finden all dies und mehr auch und gerade in den Forschungen kritischer christlicher Theologen belegt – denn nichts im Christentum ist neu auch nicht sein sogenanntes „Proprium“, die Nächsten –, die Feindesliebe, worum man sich ohnehin am wenigsten gekümmert, kurz, vom Weihnachtsfest zur Himmelfahrt: lauter Plagiate!

 

 

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http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18843

Kultur und Wissen
„Kriminalgeschichte des Christentums“(1) – Band X von Karlheinz Deschner
Die Prinzipien seiner Kritik am Christentum
Von Wolfgang Beutin

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[http://suche.preissuchmaschine.de/deschners/suche-html]

Am 8. März erschien der zehnte und letzte Band der “Kriminalgeschichte des Christentums”. Der Verfasser, Karlheinz Deschner, geboren 1924, ist einer der prominentesten Religions- und Kirchenkritiker. Für sein Lebenswerk, dessen erster Band 1986 erschien, wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Außerdem erscheint eine über 1000 Seiten umfassende neue kritische Papstgeschichte von Deschner “Zur Politik der Päpste im 20. Jahrhundert”. Im Folgenden dazu ein Vortrag des Literaturwissenschaftlers und Privatdozenten an der Universität Bremen, Wolfgang Beutin.

„Religionskritik“ und „Kirchenkritik“ sind heutzutage geläufige Begriffe, aber beide nicht eindeutig: man kann prinzipiell Religion als universelles Phänomen der Menschheit und als gegenwärtiges kulturhistorisches Faktum kritisieren oder – am Beispiel vorhandener Religionen – diese oder jene als tatsächliche oder vermeintliche Fehlform sowie Fehlentwicklungen bestimmter Religionen; man kann prinzipiell Kirche als Bestandteil des Systems Christentum / Kirche / Theologie kritisieren, jedoch auch – am Beispiel einer der christlichen Kirchen, an mehreren oder an allen – bloß ihre Fehlentwicklungen, Fehler und Verbrechen. In der europäischen und nordamerikanischen Geistes- und Literaturgeschichte sind alle diese Arten von Religions- und Kirchenkritik vorgetragen worden, wobei die Verfasser oft unterschiedliche Akzente setzten, mit unterschiedlichen Graden von Radikalität operierten sowie jeweils unterschiedliche Schlüsse zogen.

 

Um nur einige wenige neuere von ihnen zu nennen – und auch einzig solche, deren Kritik dem Christentum galt, christlichen Kirchen oder Konfessionen und ihren Glaubenslehren –: die totale Verwerfung. Der Epiker Hans Hennny Jahnn bekannte 1946: „Das Kristentum ist mir ungeheuer auf die Nerven gegangen, diese Zweijahrtausende sausende Fahrt in die verkehrte Richtung.“(2) – Die Folgerung daraus müßte die doppelte sein: rasch die Fahrt zu stoppen sowie die während der Fahrt entstandenen Schäden zu reparieren, soweit möglich. – In Goethes „zahmer Xenie“, die beginnt: „Glaubt nicht, daß ich fasele, daß ich dichte (‚zusammenlüge’)“, versichert der Autor: „Es ist die ganze Kirchengeschichte / Mischmasch von Irrtum und von Gewalt.“(3) – „Gewalt“ kennzeichnet hierbei die kirchliche Praxis, „Irrtum“ die Kirchenlehre.

 

Faktisch die Auflösung des gesamten Christentums, vorab seiner Theologie, mußte im 19. Jahrhundert aus Ludwig Feuerbachs Funden resultieren. Der Philosoph beabsichtigte, das „theologische Ueber“ aufzuheben und erkannte Gott – wie jegliche sonstige himmlische Person von der Trinität bis zum kleinsten Heiligen und Seligen – als ein „abstractes, nur gedachtes oder eingebildetes Wesen“, mit einem heutigen Fachbegriff: als eine seelische Projektion, und demzufolge die Theologie als „psychische Pathologie“.(4)

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bürgerte es sich ein, die christliche Religion als Geisteskrankheit aufzufassen, das Christentum als nichts denn ein Sanatorium für die Erkrankten. So schreibt Otto von Corvin (1812-1886), ein Achtundvierziger, in seinem „Pfaffenspiegel“ (zuerst 1845): „Die Keime der in ihren Folgen gräßlichsten geistigen Epidemien enthält die Religion und keine mehr als die mißverstandene christliche. Sie hat Europa Jahrhunderte hindurch in ein trübseliges Narrenhaus verwandelt und Millionen von Schlachtopfern sind der durch sie erzeugten Tollheit gefallen.“(5) Der Philosoph Nietzsche stellte sich vor, er selber durchwandle Corvins Narrenhaus: „… ich gehe durch die Irrenhaus-Welt ganzer Jahrtausende, heiße sie ‚Christentum’, ‚christlicher Glaube’, ‚christliche Kirche’, mit einer düsteren Vorsicht hindurch …“(6)

 

In seinen kirchenkritischen Forschungen bezeichnete der Amerikaner Henry Charles Lea (1825-1909) die römisch-katholische Lehre als spirituelles Zwinguri, als eine Diktatur über die Gedanken und Gefühle von jedermann. Sie erstrebe „the regulation of every thought, every feeling, and every act of the believer“. Unmöglich sei es gewesen, der geistlichen Autorität klare Grenzen zu ziehen, da sie sie zu unendlicher Ausdehnung neigte.(7)

 

Wie Lea erkannte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der schärfste Kritiker des Christentums in Böhmen, Josef Svatopluk Machar (1864-1942), als Inbegriff der Kirchenherrschaft, der Ambitionen Roms den gravierenden Anspruch, absolute Gewalt über das menschliche Innere auszuüben, Macht über die Seelen zu gewinnen.(8)

 

In der Gegenwart sieht der Theologe Eugen Drewermann (geb. 1940) in der bestehenden Religionsform eine Hauptursache der seelischen und geistigen Erkrankungen der Menschen, so daß, wer deren Gesundung wünsche, eine grundlegende Änderung nicht zuletzt auf religiös-kirchlichem Gebiet herbeiführen müsse.

 

Zu einigen aktuellen Fragestellungen in der Wissenschaft leitete der Zweifel über, ob der in der älteren Historiographie behaupteten Christianisierung Europas in der Antike und im Mittelalter die Wirklichkeit entsprochen habe und ob diejenigen Menschen, die sich als Christen fühlten, von der christlichen Lehre wirklich durchdrungen gewesen waren. Peter Dinzelbacher hält zwar daran fest, daß es berechtigt sei, für die Spanne vom 4. bis zum 16. Jahrhundert von einem ‚Zeitalter des Glaubens’ zu reden; er besteht aber darauf, daß „keine Gesamtdarstellung des Mittelalters darauf verzichten“ sollte, „auch der Gegen- und Nebenströmung weltlichen Denkens und Verhaltens Raum zu geben“.(9)

 

Kardinal Michael Faulhaber:

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Quelle: http://www.historisches-
lexikon-bayerns.de

Von welchen Persönlichkeiten der moderneren Jahrhunderte ließe sich zeigen, daß sie vom Christentum wahrhaftig geprägt waren? Welcher Prominente hielt am Gottesglauben fest und verdiente sich daher die Belobigung durch einen weithin bekannten Kirchen‚fürsten’? – Man erinnere sich an historische Worte des Kardinals Michael Faulhaber, der nach einem Zusam-mentreffen mit Adolf Hitler auf dem Obersalzberg jubilierte – so liest man es in einem Roman, der seinen Titel „Jahrhundert-Roman“ zu Recht führt – : „Der Reichskanzler lebt ohne Zweifel im Glauben an Gott.“(10) Hier paßt eine Aussage Deschners wie die Faust aufs Auge: „Denn Kirchenfürsten stehen, nüchtern oder nicht, wenn irgend möglich, immer bei den Star-Banditen der Geschichte …“ (1,68) So von Anfang an. Einen Kaiser der Frühzeit, Konstantin, rühmen christliche Historiographen bis heute. Aber in Wirklichkeit? … war er eines der mörderischsten Ungeheuer der Geschichte. Er ließ ermorden: seinen Schwiegervater, seine Schwäger, seinen Neffen, seinen eigenen Sohn, seine Gattin Fausta, die Mutter seiner fünf Kinder … (1,264) Was liest man von diesem Mann in frommer Darstellung?: „…führte ein christliches Familienleben“ (ebd.).

 

Der Verfasser des stupenden Mammutwerks, „Kriminalgeschichte des Christentums“ – in siebenundzwanzig Jahren erschienen zehn Bände, mit zusammen fast 6000 Seiten – kann wie einer seiner Vorfahren im Geiste für sich in Anspruch nehmen: „Ich gehe durch die Irrenhaus-Welt ganzer Jahrtausende, heiße sie ‚Christentum’, ‚christlicher Glaube’, ‚christliche Kirche’.“ Flanierend wirft er scharfe Blicke auf das, was sich seinen Augen darbietet. Am meisten auf das erstgenannte, das Christentum. Was ist das aber, das Christentum, das seine Aufmerksamkeit erregt? Dessen Konterfei er zu Papier bringt, wenn er wieder zuhause ist?

Herbert Vorgrimler äußerte: insofern es drei „in ihrer Art nie erschöpfend beschreibbare Komponenten“ aufweise, könne „es keine Definition des Ch.[ristentums]“ geben; als diese Komponenten nominiert er: die „konkrete Person“ Jesus, „das unbegreifliche Gott-Geheimnis“ sowie „die Menschen in ihrer Vieldimensionalität zusammen mit ihrer Welt“.(11)

 

Darüber hinaus will er das Christentum in zweierlei Dimensionen verankert sehen:

„als Summe der Glaubensinhalte“

sowie „als auf ethischen Prinzipien beruhende praktische Lebensführung“.(12)

Sprich: als christliche Theologie wie als christliche Praxis.

Deschners Vorhaben läßt sich nun in der Ausdrucksweise dieses Neuen Theologischen Wörterbuchs skizzieren:

> er durchforscht jene „auf ethischen Prinzipien beruhende praktische Lebensführung“ der Christenheit;

> als Christenheit betrachtet er die Gesamtheit der (Christen-)Menschen „in ihrer Vieldimensionalität zusammen mit ihrer Welt“.

Was wäre ihre Welt? Wohl die von ihnen vorgefundenen und von ihnen hergestellten Lebensverhältnisse in ihrer jeweiligen Gegenwart.

Im Zentrum des historischen Interesses des Autors steht also jenes menschliche Kollektiv, genannt „Christentum“, wie es zwei Jahrtausende lang durch die Geschichte wanderte(13) : nicht die (Amts-)Kirche allein, nicht einzelne ihrer Institutionen und Institute (z. B. der ‚Heilige Stuhl’), sondern die Völker, Nationen, Klassen, Schichten, Gruppen, Individuen christlichen Bekenntnisses, im modernen Jargon: die auf ihre christliche Identität pochen und darauf, daß man ihr Tun und Lassen als eine „auf ethischen Prinzipien beruhende praktische Lebensführung“ werte.

 

Dabei verzichtet Deschner mit Vorbedacht darauf, Unterschiede zwischen den christlichen Konfessionen zu statuieren. Es bleibt dabei, im Brennpunkt seiner kritischen Historiographie in zehn Bänden steht das Christentum, stehen sie alle. Ja, Unterschiede statuiert er, gewiß. Sie aber unter den Individuen. Er läßt Unterschiedliches nicht außer Acht, markiert auch immer seine Präferenzen: unter den Geistlichen, die agieren, beipielsweise John Wiclif (8,149), Jan Hus (8,187-191 u. 204), unter den weltlichen Amtsträgern etwa die Kaiser Karl IV. (8,15) und Joseph II. (10,200-209) und den mutigen Kanzler Kaspar Schlick (8,205), der sich der Verurteilung des Jan Hus heftig widersetzte.

 

Allerdings flossen in die „praktische Lebensführung“ der christlichen Völker und Individuen stets reichlich immaterielle Bestandteile des Systems Christentum / Kirche / Theologie ein, Elemente der Glaubenslehre, speziell der christlichen Ethik. Auch kann christliche Praxis ja niemals abgetrennt von den Institutionen – im Katholizismus vorab dem Papsttum und seinem Regime – gedacht werden. Zwar bezweckte Deschner keineswegs eine Geschichte der römischen Päpste, so wie sie im 19. Jahrhundert Ranke und Ludwig von Pastor abfaßten; und keineswegs die Geschichte des christlichen Glaubens oder diverser seiner Glaubenslehren.

Indessen verzichtet er nie darauf, Papstgeschichte und Theologiegeschichte in seine Ausführungen hineinspielen zu lassen, wo es ihm notwendig erscheint.

 

Geschichtsschreibung „in aufklärerisch-emanzipativer Absicht“

 

Deschners wissenschaftliche Maxime lautet: „Ich schreibe also politisch motiviert, das heißt in aufklärerisch-emanzipativer Absicht.“ (1,60)

Damit grenzt er sich schroff von der Mehrzahl der Historiker ab, früherer und zeitgenössischer, vor allem, soweit sie die Behauptung aufstellten, „reine“ Wissenschaft zu treiben, ohne irgend politische Intentionen. Die Regel sei, „daß politische Geschichte auf Macht, Gewalt, Verbrechen beruht; die Regel leider auch, daß dies das Gros der Historiker noch immer nicht beim Namen nennt, vielmehr rühmt – nach wie vor Potentaten und Zeitgeist zu Diensten. … Denn wie man Politik zwar für die (Masse der) Menschen machen könnte, gewöhnlich aber gegen sie macht, so wird gegen sie gewöhnlich auch die Geschichtsschreibung geschrieben.“ (1,61 f.) Vor den Werken der Geschichtsschreibung noch entstehen die Quellen. Aber es gilt nicht anders für sie: „Durch den weitaus größten Teil unseres Zeitraumes hofiert die Quellentradition die unterdrückenden und ignoriert die unterdrückten Schichten, präsentiert sie meist glanzvoll die Akteure der Historie, die kleine Despotenmeute derer, die sie machte, und selten oder nie den Buckel derer, die sie ausgetragen.“ (1,62 f.) Was Deschner plant, ist dagegen eine fundamentale Inversion oder die Verkehrung der Perspektive.

 

Darin hat er eine wichtige Bundesgenossin. Das ist die Sozialgeschichte. Sie sieht als einzige nicht ab von der „Verschränkung politischer und gesellschaftlicher Vorgänge“, und es ist sie, kündigt Deschner in seiner „Einleitung zum Gesamtwerk“ an, die in der „Kriminalgeschichte“ „eine beträchtliche Rolle spielen wird“ (1,65).

 

Aus diesem Gesichtspunkt gelangt er zur Verwerfung ganzer Bücherwände oder Bibliotheken mit Produkten der konventionellen Geschichtsschreibung, mit den Klitterungen von Historikern, die sich zu ihren Lebzeiten gern als Präzeptoren der Nation aufgespielt hatten: „Es ist klar, haben ganze Generationen solche Präzeptoren, werden sie auch von jedem welthistorischen Schandkerl mißbraucht. Stünde es nicht anders um Menschheit und Geschichte, würden diese von der Geschichtsschreibung – und Schule! – ethisch durchleuchtet und geformt? … Die meisten Historiker aber breiten den Dreck der Vergangenheit aus, als wäre er der Humus für künftige Paradiese. Und gerade die deutsche Geschichtswissenschaft hat die tradierte Form der Geschichte, der Gesellschaft, die überlieferte ‚Ordnung’ – in Wirklichkeit ein soziales Chaos, ein fortgesetzter innerer und äußerer Krieg – gestützt statt zu ihrem Sturz beizutragen.“ (65)

 

„Aufklärerisch-emanzipativ“ bedeutet bei dem Verfasser demnach nicht die Aufklärung um der Aufklärung willen, eine Art l’art-pour-l’art-Prinzip fortschrittlich gemeinter Historiographie, sondern exakt: Aufklärung einer bestimmten Zielgruppe: der Massen, und das historische Werk selber: das Mittel der Aufklärung. „Aufklärerisch-emanzipativ“ bedeutet für ihn auch nirgends, eine Haßkampagne gegen einzelne Menschen, Angehörige christlicher Glaubensgemeinschaften zu führen. Er hält es mit Lichtenberg: „Es gibt viele rechtschaffene Christlichen, das ist gar keine Frage, so wie es überall und in allen Ständen gute Menschen gibt, allein so viel ist gewiß, in corpore und was sie als solche unternommen haben, ist nie viel wert gewesen.“ (Zit. in 1, S.35) Und er hält es mit Hebbel, der das Christentum „das Blatterngift der Menschheit“ nannte und eine einfache Frage stellte: „Woher kommt’s doch wohl, daß alles, was auf Erden jemals bedeutend war, über das Christentum dachte wie ich?“ (Zit. in 1, S. 36)

 

Im Verein mit diesen beiden Autoren umreißt der Verfasser, was er mit seinem eigenen Buch beabsichtigt: „Daß die Christen, um auf Lichtenberg zurückzukommen, in corpore und was sie als solche unternommen, nie viel wert gewesen, daß man mit Hebbel allen Grund hat, das Christentum zu verachten, diesen historischen Nachweis zu liefern ist die Aufgabe meiner ‚Kriminalgeschichte’.“ (1,36)

Seine Historiographie, verspricht er, wird grundsätzlich eine wertende sein. Die gegenteilige, tatsächlich oder scheinbar nicht wertende, verurteilt er: „Denn eine Wissenschaft, die nicht wertet, unterstützt, ob sie will oder nicht, den Status quo, sie stützt die Herrschenden und schadet den Beherrschten.“ (1,47)

 

Nun darf der Historiker jedoch nicht umstandslos das Werten anfangen. Um es zu können, muß seine Erforschung der Fakten vorangehen. Aber besteht die Sicherheit, daß diese sich alle, und vornehmlich die gravierenden, ausreichend ermitteln lassen? Können verläßliche Aussagen über den Verlauf der Geschichte in sämtlichen Epochen getroffen werden, und ist demgemäß Historiographie überhaupt ein Ding der Möglichkeit?

Hier antwortet Deschner mit einem klaren Ja, sich gegen die Geschichts- und Erkenntnisskepsis wendend: „Davon gehe ich ebenso aus wie von der Überzeugung, daß man, bei aller Komplexität, allem Chaos und Wirrwarr der Geschichte, allgemeine Aussagen treffen, daß man das Wesentliche, Typische, Entscheidende, herausstellen, kurz, daß man historisch generalisieren kann …“ (1,52)

In den Zusammenhang der Bewertung und Generalisierung gehört für ihn eine seiner Hauptmethoden, die Quantifizierung: „Um diese Verallgemeinerungen aber möglichst schlüssig zu machen, ist eine meiner Hauptmethoden die der Quantifizierung, der Zusammenstellung vergleichbarer Fälle, Varianten, Daten, soweit sie relevant, repräsentativ sind:. Geschichte schreiben heißt die Hauptzüge herausstellen. Ich betreibe also die Summierung des Informationsmaterials. Beides, Generalisierung und Quantifizierung, gehört zusammen.“ (Ebd.)

 

Legendenzerstörung und Aufdeckung von Manipulationen

 

Der bedeutendste sozialdemokratische Publizist der Kaiserzeit, Franz Mehring (1846-1919), erkannte und kritisierte die konventionelle Geschichtsschreibung seiner Zeit, die vielfach aus Legendenbildung bestand oder ihr ähnelte. Wie er nachwies, verfuhr sie mit dem vorliegenden Quellenmaterial in vielen Fällen unredlich, ja, ihr Umgang damit war allzu oft schlechterdings nichts anderes als Manipulation. Daraus ergab sich ihm als eine wesentliche Aufgabe sozialgeschichtlicher Forschung die Legendenzerstörung und Aufdeckung der Manipulationen. Das war eine Aufgabe im Vorfeld. Doch Mehring verkannte es nicht: Sollte eine wahrheitsgemäße, den Massen nützliche Geschichtsschreibung realisiert werden, konnte diese nicht gedeihen, wenn nicht zuvor das Vorfeld planiert worden war. Und so machte sich Mehring unverdrossen daran, die notwendige Aufgabe zu erfüllen.

 

Es ist beklagenswert, jedoch ein Faktum: zu weiten Teilen liegt die Aufgabe der Legendenzerstörung und Aufdeckung von Manipulationen immer noch vor der Geschichtswissenschaft. Zumal unverkennbar ist, daß interessierte Kreise stetig neue Legenden fabrizieren und in die Welt setzen (etwa: die nach 1945 vom „Spiegel“-Herausgeber bei dem ‚Verfassungsschützer’ Fritz Tobias, einem späterem Holocaust-Leugner, in Auftrag gegebene ‚Reichstagsbrand-Lüge’, wonach das Verbrechen einem Einzeltäter zugeschrieben wurde, Marinus van der Lubbe)(14). Legendenauflösung ist keine Kleinigkeit. Deschner unterzieht sich verdienstlich der Mühe, hier anzupacken und manche äußerst fatale, trotzdem heutzutage immer noch verbreitete und deshalb von vielen geglaubte Legende zu widerlegen. (Luther hatte seine Gründe, als er den Terminus „Legende“ variierte und in „Lügende“ umänderte.)

Der heilige Paulus

Quelle: http://kirchensite.de/

 

Eine solche Lügende lautet, es wäre die Kirche gewesen, der die Menschheit – jedenfalls im Bereich des Christentums – die Abschaffung der Sklaverei verdankte. Nein, widerspricht Deschner, die Kirche befand sich „stets auf der Seite der Unterdrücker“: „Paulus, Augustinus, Thomas von Aquin und tausend weitere ‚Heilige’, sie alle verteidigen die Unfreiheit. Noch in der Neuzeit vertritt die katholische Theologie ganz allgemein das Recht auf Sklaverei. … Und nicht zufällig hielt unter allen Hauptstädten Europas das päpstliche Rom am längsten an der Sklaverei fest.“ (9,398)

 

Eine andere, frequent aufgetischte Lügende besagt, von der Kirche seien im Verlauf der Jahrhunderte im Abendland die bewundernswertesten „Kulturwerte“ geschaffen worden. Deschner argumentiert: „Gewiß entstanden durch die Kirchen, zumal die römische Kirche, bedeutende Kulturwerte, besonders Bauten, was gewöhnlich höchst eigensüchtige Gründe hatte (Repräsentation der Macht), sowie auf dem Gebiet der Malerei, was gleichfalls ideologisch bedingt war (nicht endende Illustrationen von Bibelszenen und Heiligenlegenden). Doch beiseite, daß die vielgerühmte Kulturfreudigkeit im Gegensatz zum kulturellen Desinteresse des gesamten Urchristentums steht, das ‚nicht von dieser Welt’, das voller eschatologischer Geringschätzung derselben war und ihr unmittelbares Ende erwartete, eine fundamentale Täuschung, auch Jesu: die meisten Kulturleistungen der Kirche wurden durch rücksichtsloses Schröpfen der Massen ermöglicht, durch ihr Versklaven und Auspowern von Jahrhundert zu Jahrhundert. Und dieser Kulturförderung steht viel mehr Kulturhemmendes, Kulturvergiftendes und -vernichtendes gegenüber.“ (1,26)

 

Für die Manipulationen, die Deschner aufdeckt, hier nur ein einziges Beispiel (1,86 f.). Eine Fälschung ist vorgenommen worden, ein Verbrechen gegen den Geist, im Vergleich zu der Unzahl an Verbrechen, die im Christentum gegen Leib und Leben von Menschen begangen wurden, ein eher geringfügig erscheinendes. Hinwiederum doch kein ganz geringfügiges, weil die Fälschung an genau jenem Text begangen wurde, der unter der Bezeichnung ‚Heilige Schrift’ zu den immateriellen Grundlagen des Christentums zählt: an der Bibel.

Im Christentum, wie vorher bereits im Judentum, ist es üblich, einem der blutrünstigsten Schlagetots in der älteren orientalischen Geschichte, dem König David, Ehrenkränze zu winden.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden – autorisiert vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland – Verse aus dem Alten Testament (2. Samuel 12,31 sowie 1. Chronik, 20,3), verdolmetscht gedruckt, in denen von der Weise der Behandlung die Rede ist, die den Bewohnern der von David eroberten Städte Ammons widerfuhr. Die Fassung dieser Stellen richtet sich angeblich (so steht es höchst offiziös verzeichnet) „Nach der deutschen Übersetzung Martin Luthers“. Deschner zitiert diese Verse, wie sie in der neueren Bibeledition zu lesen sind:

„Aber das Volk darin führte er heraus und ließ sie mit Sägen und eisernen Hacken und Äxten Frondienste leisten.“

„Aber das Volk darin führte er heraus und stellte sie als Fronarbeiter an die Sägen, die eisernen Pickel und an die eisernen Äxte und ließ sie an den Ziegelöfen arbeiten.“

 

Wem hier etwas Ungutes schwant, der kann nach der Lektüre in älteren Bibeln nachschlagen, und ihm steht sein blaues Wunder bevor. Oder er schlägt noch besser gleich in Luthers Version nach, so wie Deschner es tut, und was findet sich? Dies:

„Aber das volck drinnen füret er eraus / vnd teilet sie mit Segen / vnd eisern Hacken vnd keilen / Also thet David allen Stedten der kinder Ammons …“ Völlig ausgeschlossen hier, daß dem Verbum „teilen“ der Sinn zukäme: ‚Frondienste leisten’. Die Bedeutung ist keine andere als ‚zerteilen’ (wie etwa in der Bezeichnung einer älteren Strafe, dem „Vierteilen“).

„Aber das Volck drinnen füret er eraus / vnd legt sie vnter eisern segen vnd zacken / vnd eisern keile / und verbrand sie in Zigelöfen. / So thet er allen Stedten der kinder Ammons.“

Was immer das Motiv der Textverhunzer gewesen sein mag – Deschner erwägt, ob vielleicht Davids Vorgehensweise verschwiegen bleiben sollte, da „an Methoden Hitlers erinnernd“ – es liegt eine gravierende Textveränderung vor, mit welcher Betrug an der Leserschaft verübt wird. Die Fälschung betrifft sowohl das Original als auch Luthers Version.

Im übrigen wäre überhaupt einmal die Überlegung am Platze, inwieweit die Bibel – das Alte wie das Neue Testament – gemäß einer von Deschner an anderer Stelle gestellten Forderung es verdiente, „ethisch durchleuchtet“ zu werden. Das Ergebnis läßt sich problemlos vorhersagen. Es läßt sich nicht leicht ein anderes Buch der Weltliteratur auftreiben, aus dessen Blättern in solcher Menge Blut herausträufelt wie aus der Bibel, am stärksten aber aus dem Alten Testament.

 

Zur Theorie und Praxis der ‚Religion der Liebe’

 

Gleich zu Beginn schon ein schwerwiegender Diebstahl. Stichwort „Altes Testament“: wie kam es in die Hände der Christen? Die Wahrheit ist, sie entrissen es den Juden, und man „gebrauchte es als Waffe gegen sie: ein ungeheures Betrugsverfahren, interpretatio Christiana genannt; ein beispielloser, in der gesamten Religionsgeschichte singulärer Vorgang und nahezu der einzige originelle Zug christlicher Glaubenshistorie überhaupt.“ (1,121)

Dies literarische Werk aber, das Alte Testament, vermittelt eine Vorstellung von Gott, deren barbarischer Grundzug kaum überbietbar ist: „Dieser Gott aber, von Absolutheit besessen wie keine Ausgeburt der Religionsgeschichte zuvor und von einer Grausamkeit, die auch keine danach übertrifft, steht hinter der ganzen Geschichte des Christentums! … Dieser Gott genießt nichts so sehr wie Rache und Ruin. Er geht auf im Blutrausch.“ (1,75)

Auch sind die kirchengeschichtlichen Abläufe im Christentum, wie sie die Doktrin konstruiert, ein makabres Phantasma. Es entspricht mitnichten der realhistorischen Entwicklung des Christentums: „… erst ‚Rechtgläubigkeit’, dann ‚Ketzerei’“, ein „Schema“, „das die Kirche schon zur Aufrechterhaltung ihrer Fiktion einer angeblich ununterbrochenen apostolischen Überlieferung braucht, ist nichts als eine nachträgliche Konstruktion und offenkundig falsch …“ Dies Konstrukt will am Anfang die „reine, unverdorbene Lehre“ sehen. „die im Lauf der Zeit durch Häretiker und Schismatiker beschmutzt worden“ wäre. Eine solche Entwicklung hat es nicht geben können, weshalb? Weil „nirgends anfangs ein homogenes Christentum“ existiert hatte (1,145).

 

Man benötigte also das Phantasma, um die ‚Häresien’, die Abfallbewegungen zu unterdrücken. Aber was war man selber? Was war man durch die Jahrhunderte hindurch? War man nicht selber die Abfallbewegung vom Urchristentum, und dies schon davor, in noch älterer Spanne, im Moment seiner Entstehung die Abfallbewegung von der spätjüdischen Eschatologie?

Christentum in seiner Geschichte insgesamt: die Abfallbewegung vom Urchristentum, wenn es denn rekonstruierbar wäre; oder: die große Geschichte des Abfalls von der Lehre Jesu, soweit diese verläßlich rekonstruierbar ist?

 

Aber noch einmal zurück zu den ‚Häresien’. „Unterdrückung“ ist der dominante Ausdruck, wenn man die Theorie und Praxis des Christentums historisch durchleuchtet, zu allererst das Schlüsselwort. Unterdrückung der ‚Häresien’. Wieder nur ein einziges Beispiel: „Der von Gregor(15) ernannte Dominikanerinquisitor Robert, der auch in Cambrai, Douai, Lille viele Menschen zu Asche machte, ließ allein am 29. Mai 1239 zu Mont-Aime in der Champagne 183 ‚Ketzer’ verbrennen – ein ‚großes und dem Herrn wohlgefälliges Brandopfer’ (maximum holocaustum [!] et placabile Domino), wie der Bericht meldet.“ (7,259) Solche Menschenverbrennungen, nicht selten mit Opfern in vierstelliger Höhe, durchziehen seit dem Mittelalter die Geschichte der Christenheit, vor allem in Europa, und selbst zu Lebzeiten Goethes und Schillers hören die Scheiterhaufen nicht auf zu rauchen: „Die Verbrennung, meist an einem Feiertag, machte die Kirche zu einer Demonstration ihrer faktischen Allmacht, zu einer pompösen rituellen Opferung, attraktiver als jedes andere Kirchenfest. Die Sache hieß mit einem portugiesischen Ausdruck Autodafé, lateinisch actus fidei, war also ein Glaubensakt, fraglos der feurigste der Religionsgeschichte.“ (7,260) Voran ging in der Regel die Folter. „Die Folter hatte schon der hl. Bischof und Kirchenlehrer Augustinus, das Urbild aller mittelalterlichen ‚Ketzer’-Jäger, gegen die Donatisten gestattet, die Folter quasi als Bagatelle gegenüber der Hölle verteidigt, geradezu als eine ‚Kur’, emendatio.“ (7,266)

Die Hölle, was war sie? Wo war sie? – Deschner gibt eine Antwort, die vielleicht alle – oder keinen – überrascht, aber – bei genauerem Nachdenken – sich als die alleinig richtige erweist: das Christentum war die Hölle, „eine Hölle, die Generation um Generation ins Elend stürzt, eine der Grundlagen der Geschichte, die wir haben.“ (7,272 f.)

 

Unterdrückung anderer Religionen und ihrer Bekenner. Der Prototyp des Verfolgers ist Paulus gewesen, derselbe, aus dessen Feder die ältesten Teile des Neuen Testaments stammen. Deschner: „Ein besonderes Vorbild aber für das alle Andersgläubigen verteufelnde Rom wurde der Fanatiker Paulus, der Klassiker der Intoleranz …“ (1,148) Ein Vorbild, das leider zahllose Nachfolger gefunden hat. Beispiel: „Der führende Mann des spanischen Katholizismus, Kirchenlehrer Erzbischof Isidor von Sevilla (um 560 – 636) … hat zu den Judenpogromen aufgereizt und sie gerechtfertigt.“ (7,406) Deschner resümiert: „Die Intensität der altchristlichen Judenfeindschaft läßt sich kaum groß genug denken.“ (1,138)

Unterdrückung der Frauen. Am konkretesten greifbar in den Hexenverfolgungen, denen mindestens eine Million Frauen in Europa zum Opfer fielen. „Und wie auch immer die verschiedenen Faktoren des Problems bewertet werden mögen, hinter all den horrenden Massakern steht unbezweifelbar als Basis und immerwährender Anschub die Moral, besonders die Sexualmoral der Kirche .“ (8,317)

 

Diffamierung der Ehe, der Familie, der Liebe der Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt: hier gingen die Verfasser der Evangelien voran. „Wie oft schlug jenes Schwert auch zu, das schon Jesus schärfte, indem er den Sohn wider den Vater, die Tochter wider die Mutter trieb … Wie haben Engstirnige, verpfaffte Bigotte, die Familien vergiftet, gegen Eltern, Ehemänner, Ehefrauen gehetzt, zur Unmenschlichkeit verleitet, zur Preisgabe fast aller sozialen Beziehungen …“ (1,152)

„Kann man irgendwo Haß lernen, schänden lernen, schamlos lästern, lügen. verleumden, dann bei den Heiligen, den größten Heiligen des Christentums!“ (1, 167)

Unterdrückung der Natur: „Hier, wo die Erde getreten, mit Füßen getreten wird, dröhnt geradezu … das Echo des alttestamentlichen ‚Machet sie euch untertan!’ Hier bricht etwas mehr und mehr Verheerendes, in seinen Folgen kaum zu Überschätzendes ein. Hier tritt an die Stelle des ‚natürlichen Kosmos’ ein ‚kirchlicher Kosmos’ …“ (1,197)

 

In alledem zeigt sich – oder zu alledem kommt – als extremes vom Christentum begangenes oder inspiriertes Verbrechen das jahrtausendelange gegen das Leben, diese unaufhörliche Mörderei, diese kontinuierliche Menschenschlächterei, wodurch die Menschenwelt zum Menschenschlachthaus geriet – der Krieg. „Die ganze Geschichte des Christentums war in ihren hervorstechendsten Zügen eine Geschichte des Krieges, eines einzigen Krieges nach außen und innen, des Angriffskriegs, des Bürgerkriegs, der Unterdrückung der eigenen Untertanen und Gläubigen.“ (1,17) Dürfte man sich diesen Sachverhalt so zurechtlegen: Krieg wäre in den Anfängen und noch bis in die ältere Neuzeit hinein nicht als das Fürchterliche empfunden worden, was es denn in Wirklichkeit ist, wurde empfunden eher als Bestandteil des Alltags, der Normalität, der realen Historie der Menschengattung? – Deschner konterkariert entschieden: „Doch hat man stets, wenigstens in den letzten 2000 Jahren, Raub, Mord, Ausbeutung, Krieg für das gehalten, was sie waren und sind.“ (1,57)

Religionskriege: Bereits der Kirchengeschichtsschreiber Eusebius und der Kirchenvater Laktanz „machen – mit Hilfe einander widersprechender Legenden (das heißt: ‚frommer’ Lügen) –“ den militärischen Sieg Konstantins über Maxentius „zu einem Sieg ihrer Religion über die alte. Sie begründen damit eine im Christentum völlig neue, über Karolinger, Ottonen, bis in den Ersten und Zweiten Weltkrieg buchstäblich verheerend fortwirkende politisch-militante Religiosität, die sogenannte Kaisertheologie.“ (1,223)
Konstantin I. besiegt Maxentius 312 in der Schlacht
an der Milvischen Brücke in Rom

Quelle: wikipedia.org

Der hl. Leo I. (440-461) „führte als erster Papst im Namen der Kirche Krieg“ (6,198), zugleich der erste Papst, „der grundsätzlich seine Kriege aus der Religion herleitete“ (C. Erd- mann, zit. von Deschner, ebd.).

„Spätestens im 10. Jahrhundert zogen Bischöfe oder Priester den tötenden Haufen mit Kreuzen, Fahnen, Reliquien voran.“ (6,39). Neben dem Krieg nach außen, außer Kreuzzügen: Kriege nach innen, Kreuzzüge im Innern, Kriege von Christen gegen Christen. „Noch ehe man die Heiden massakrierte, kam es zur ersten, im Namen der Kirche geführten Christenverfolgung, zu Martyrien von Christen durch Christen, zu einem blutigen Bauernkrieg auch …“ (1,276)

 

Als die Kreuzzüge nach außen schwieriger wurden oder ohne Erfolge blieben, fand man sogleich den Ausweg. „Als sie, infolge der Rückschläge, zunächst nach außen verebbten, führte man sie nach innen, gegen Christen, ‚Ketzer’, ‚Rebellen’ und schließlich gegen alle möglichen Feinde von ‚Ordnung’ und ‚Recht’, bis hin zu dem scheußlichsten Religionsgemetzel aller Zeiten, dem der katholischen Kroaten gegen die serbischen Orthodoxen (1941-1943) …“ (6,344)

 

Der Begriff: Heiliger Krieg. Deschner erläutert: „In Wahrheit geht es hier um Mord, ein jahrtausendlanges Schlachten, das nun, da im Namen der ‚Frohen Botschaft’, der ‚Religion der Liebe’, Gottes selbst, getätigt, auch noch als gerecht, gut erklärt, das verklärt, ja, das ‚heilig’ wird – Gipfelpunkt des Kriminellen: ‚heiliger Krieg!’ Es war, neben Inquisition und Hexenverbrennung, das einzig halbwegs Neue im Christentum.“ (1,256 f.)

Was lehrt das Verhältnis des Christentums zum Krieg?

Deschner zieht das vernichtende Fazit: „Denn einmal beiseite die notorische Volksverblödung, Ausbeutung und systemimmanente Heuchelei, lebten diese christlichen Reiche und Reichen von nichts mehr als von Eroberung und Raub: der alles – vom kulturellen Klingklang bis zum klerikalen Singsang – tragende Grund, die scheinbar gottgewollte Daseinsbasis.“ (6,437)

„Denn gewiß ist militärische Macht, das heißt die Gewalt, der Krieg, nicht nur, wie man schrieb, ein Grundanliegen staufischer Reichsideologie, sondern des ganzen – doch so christlichen! – Mittelalters, ja, das beherrschende Geschichtsprinzip überhaupt. Das Verbrechen des Krieges, von den mehr oder weniger kaschierten Verbrechen des Friedens jeweils vorbereitet, das ist der kriminelle Kreislauf dessen, was wir Historie, politische Geschichte nennen, im wesentlichen jedenfalls, in Antrieb wie in Zielsetzung …“ (6,502 f.)

 

Anmerkung der Redaktion: Die in Klammern gestellten Zahlen wie z.B. (6,437)verweisen auf die jeweiligen Bandnummern und Seitenzahlen aus Deschners “Kriminalgeschichte des Christentums” (PK)

[1] 10 Bde., Reinbek bei Hamburg 1986-2013 (zitiert im Text nur mit Band- und Seitenzahl).

[2] Zit. in: Hans Wolffheim, Hans Henny Jahnn (1894-1959), in: Karlheinz Deschner, Das Christentum im Urteil seiner Gegner, 2. Bd., Wiesbaden 1971, S. 252

[3] dtv-Gesamtausg., Bd. 4, Sämtliche Gedichte Vierter Teil (Gedichte aus dem Nachlaß, Zweite Abtlg.), München 1961, S. 71

[4] Zitate in: Wolfgang Beutin, Ludwig Feuerbach (1804-1872), in: Deschner, wie Anm. 2, 1, S. 247, 246 u. 249

[5] UT: Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch=katholischen Kirche, 43Berlin=Schöneberg o. J., S. 67

[6] Zit. in: Wolfgang Beutin, Friedrich Nietzsche (1844-1900), in: Deschner, wie Anm. 2,1,389

[7] Studies in Church History (Reprint der 2. Aufl. 1883), Badenweiler 2009, S. 288

[8] In seinem Buch „Rom“ (1906/07). Neuaufl. der Übers. von Emil Saudek, mit Kommentar von Heidi und Wolfgang Beutin, Badenweiler 2010, passim.

[9] Unglaube im „Zeitalter des Glaubens“. Atheismus und Skeptizismus im Mittelalter, Badenweiler2009, S. 147

[10] Zit. in: Hans Heinrich, Jahrhundert-Roman. Aus dem langen Leben des Eustachius G., Weilheim 2009, S. 154

[11] Neues Theologisches Wörterbuch, Freiburg / B. 2000, S. 114

[12] Ebd.

[13] Oder doch nur 1800 Jahre hindurch, weil die Darstellung im 10. Band lediglich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts reicht. – Jedoch hatte Deschner dreißig Jahre vor diesem Buch ein zweibändiges Werk erscheinen lassen: Ein Jahrhundert Heilsgeschichte (Köln 1982/83). Daraus stellte der Rowohlt Verlag später ein einbändiges Werk her, Titel: Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert (Reinbek 1991; fast 1400 S.). – Wie Deschner jetzt betont, läßt sich die zuletzt genannte Schrift als Fortsetzung der Kriminalgeschichte lesen, sozusagen als deren Bd. 11 (10,227).

[14] Alexander Bahar / Wilfried Kugel, Der Reichstagsbrand. Geschichte einer Provokation, Köln 2013

[15] Gregor IX., Papst 1227-1241; organisierte 1231 die Inquisition.

 

 

Wolfgang Beutin, Jg. 1934, ist Literaturwissenschaftler und Privatdozent an der Universität Bremen. Wir danken ihm, dass er uns diesen Vortrag zur Veröffentlichung in der NRhZ zur Verfügung gestellt hat. 

Online-Flyer Nr. 397  vom 13.03.2013

 

 

 

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http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/karlheinz-deschner-kriminalgeschichte-des-christentums-10-kostenaufstellung-der-heilsgeschichte-12142874.html

Dienstag, 17. Januar 2017

Veröffentlicht: 09.04.2013, 16:40 Uhr, von Bernhard Lang.

Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums 10 Kostenaufstellung der Heilsgeschichte

Karlheinz Deschner legt den zehnten Band seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“ vor und schließt damit gewohnt kritisch die seit 1986 erscheinende Reihe.

Polemisch und provokativ

Fast alle Schriften Deschners – auch der hier besprochene Band – enthalten Anmerkungen, Literaturlisten und Register. Einen wissenschaftlichen Anspruch erhebt er als Laienhistoriker und Sachbuchautor trotzdem nicht. Er beruft sich eher auf Sekundärliteratur als auf Quellen. Nicht um historische Forschung geht es ihm, sondern um Aufklärung, Provokation und Polemik. Damit hat er Erfolg – obwohl es in akademischen Kreisen als unfein gilt, den Namen Deschner zu nennen. Aber warum eigentlich? Deschner will über eine Geschichte aufklären, in der viel unschuldiges Blut floss, in der Macht über Recht ging, in der Religion zum Vorwand für Greueltaten diente. Er wendet sich nicht an Historiker, sondern an Leser, denen die Geschichte des Christentums als eine von Unrat freie Heilsgeschichte vermittelt worden ist.

Als „Abermals krähte der Hahn“ 1962 erschien, war so unmittelbar geäußerte Kirchenkritik in Deutschland selten und wirkte provokativ. Von manchen wurde sie als respektlos empfunden. Doch in dem halben Jahrhundert, das seitdem vergangen ist, hat sich viel getan. Auch unter den von Deschner vielgeschmähten katholischen Theologen gibt es nun eine große Zahl, die ähnliche Kritik äußert. Zu diesem Klimawandel hat nicht zuletzt Deschner beigetragen.

Er behält auch im Abschlussband seiner „Kriminalgeschichte“ den polemischen Ton bei. Doch er mildert ihn zumindest an einer Stelle, die jedem Leser im Gedächtnis bleiben wird. Alles, was er geschrieben habe, bekennt Deschner, könne er mit einem Wort des „österreichischen Priesters, Lebensreformers, Vegetariers und Pazifisten Johannes Ude (1874 bis 1965)“ ausdrücken: „Ich kann das Unrecht nicht leiden.“

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http://literaturkritik.de/id/18209#biblio

Unheilbare Lebensmelancholie

Karlheinz Deschner hat den letzten Band seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“ publiziert

Von Franz Siepe

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Die bloße Tatsache des Erscheinens dieses 10. Bandes von Karlheinz Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“ scheint mir erwähnenswerter zu sein als der wenig aufregende kriminalhistorische Inhalt. Wer nach Band 9 („Mitte des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Vom Völkermord in der Neuen Welt bis zum Beginn der Aufklärung“, 2008) noch nicht überzeugt davon war, dass die Geschichte des Christentums alles andere als pure Christlichkeit zeitigte, wird sich auch vom vorliegenden Band kaum belehren lassen: Die Frühgeschichte Skandinaviens brachte „Mord und Totschlag“; im Großen Nordischen Krieg (1700-1721) wurden wie in allen Kriegen Meere von Blut vergossen; in Russland wütete Ivan der Schreckliche schrecklich; Prinz Eugen war durchaus nicht der „edle Ritter“, sondern rachsüchtig, arglistig und heimtückisch, und als dem Feldherrn im Türkenkrieg und im Spanischen Erbfolgekrieg gingen ungezählte Leben auf sein Konto. Der Siebenjährige Krieg forderte auch das Seine, und wie immer vollzog sich das ewige Hauen, Stechen, Metzeln und Schlachten unter der Berufung auf den lieben Gott im Himmel.

Wir registrieren schließlich, dass das Papsttum im 17./18. Jahrhundert einen „Niedergang“ erlebte, erfahren Verstreutes über die europäische Jesuitenverfolgung und auch über die liberale Reformpolitik des österreichischen Kaisers Joseph II. Kaum ein Leser, der sich durch diese zweihundert Seiten hindurchgearbeitet hat, wird wohl hochroten Kopfes zum Atheismus konvertieren. Eher schon wird er sich fragen, ob seine unheilbare Lebensmelancholie nicht in Wahrheit im schulischen Geschichtsunterricht gründet: Von Hellas bis Hitler – wie viele unbeweinte Schlachtopfer, wieviel ungesühntes Leiden, wie viele Helden, Menschenmetzger, Großstrategen und Kriegskrüppel, wie viele Kriegerwitwen und -waisen, wie viele geschändete Frauen, gefolterte Leiber, Kreuzzüge, Scheiterhaufen, verhungerte Bauern, prassende Fürsten und Prälaten, verfolgte Unschuld und triumphierend grinsende Schuld hatte er nicht fein ordentlich auswendig lernen müssen, damit man ihm das Zeugnis der Reife erteilte?

Das neunte und letzte Kapitel beschreibt und beklagt „Armut als Massenphänomen im absolutistischen Zeitalter“. Eingeleitet wird es von der folgenden Erläuterung des Autors: „Ich beschließe die Kriminalgeschichte des Christentums mit einer Thematik aus der Frühzeit meiner Geschichtskritik. Aus dem ursprünglichen Plan einer ‚Geschichte des menschlichen Elends‘ erwuchs das vorliegende zehnbändige Werk, wie alles, was ich schrieb, dem einen Hauptantrieb verpflichtet – mit den Worten des von mir hochgeschätzten österreichischen Priesters, Lebensreformers, Vegetariers, Atomkraftgegners und Pazifisten Johannes Ude (1874-1965): ‚Ich kann das Unrecht nicht leiden.‘“ Und gemäß dem Schlusswort des Rowohlt-Lektors Hermann Gieselbusch („Eine unwiderstehliche Mischung: Karlheinz Deschner und Rowohlt“) hatte Deschner 1970 dem Verlag ein Exposé zugesandt, in welchem es hieß: „Ich möchte das Werk zu einer der größten Anklagen machen, die je ein Mensch gegen die Geschichte des Menschen erhoben hat.“

Wie jedoch kam es dann schließlich dazu, dass aus einer Anklage gegen die Menschheitsgeschichte, gegen die conditio humana, eine „Kriminalgeschichte des Christentums“ wurde? Am Ende gibt Deschner eine programmatische Erklärung ab, die hier, weil nicht ohne Verluste paraphrasierbar, in längeren Auszügen wiedergegeben sei. Der Autor schreibt mit offenem Visier, was Achtung abnötigt, aber dem Leser auch ein Urteil abverlangt: „Ja, es muß ein eigentümliches Vergnügen sein – und auch dies ein alter Text schon, der mir nahsteht und den Bogen über all die Bände spannt, die da nun Jahr um Jahr, die vierzig Jahre meines Lebens jetzt verschlungen haben – ja, es muß ein eigentümliches Vergnügen für die Menschen sein, sich fort und fort verdummen, verkaufen, vernichten zu lassen: für das Vaterland, den Lebensraum, die Freiheit, für den Osten, den Westen, für diesen und für jenen Herrn, am meisten aber für die, die Gott stets so sicher mit ihrem Vorteil verwechseln und ihren Vorteil mit Gott, die so zielstrebig dem Tag dienen, doch die Ewigkeit nie aus dem Auge verlieren, die im Frieden Frieden propagieren und im Krieg den Krieg, und beides mit gleicher Überzeugungskraft und gleicher Perfektion: da das Christkind, dort Kanonen; da die Bibel, dort Pulver; da ‚Liebet einander‘, dort ‚Bringt sie um, Gott will es‘. […] Wo sonst noch gibt es diese atemverschlagende Mischung von Wolfsgeheul und Friedensschalmei, Weihnachtsbotschaft und Scheiterhaufen, von Heiligenlegende und Henkersgeschichte! Wo sonst dies allumfassende Liebespalaver und den praktisch allesverschlingenden Haß! Wo sonst eine Religion, die aus Liebe tötet, aus Liebe foltert, aus Liebe raubt, erpreßt, entehrt, verteufelt und verdammt! Es wurde die große, die weltbeglückende Praxis des Christentums, die grassierende Pest der Jahrtausende. Mit einem Wort: Das Christentum wurde der Antichrist. Jener Teufel, den es an die Wand malte: er war es selber! Jenes Böse, das es zu bekämpfen vorgab: es war es selber! Jene Hölle, mit der es drohte: sie war es selbst! […] Seit Konstantin wurden Heuchelei und Gewalt die Kennzeichen der Kirchengeschichte, wurde Massenmord zur Praxis einer Religion. Einen zu töten war strikt verboten, Tausende umzubringen ein gottgefälliges Werk. Das Ganze heißt nicht Geisteskrankheit, das Ganze heißt Christentum.“

Der im Untertitel des Buches angekündigte „Ausblick auf die Folgezeit“ fällt überaus knapp aus und bescheidet sich so gut wie ausschließlich mit dem Verweis auf das Buch „Die Politik der Päpste“, auf dessen kommendes Erscheinen im September an dieser Stelle nur schon einmal kurz hingewiesen sei.

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http://www.zeit.de/2013/13/Karlheinz-Deschner-Kriminalgeschichte-Christentum

Kriminalgeschichte des Christentums: Blutspur durch die Jahrhunderte

“Kriminalgeschichte des Christentums”, der zehnte und letzte Band: Karlheinz Deschner schließt sein historisches Monumentalwerk ab. Eine Gratulation

Von Ludger Lütkehaus

  1. März 2013 DIE ZEIT Nr. 13/2013

Seit 1962, als seine erste Kirchenhistorie unter dem biblischen Titel Abermals krähte der Hahn erschien, schreibt Deschner gegen das an, was er die Verbrechensgeschichte des Christentums nennt. Starke, unverhohlen polemische Worte! Es wird von Deschner denn auch gar nicht bestritten, dass er als Gegner der Kirche, gleichsam als kirchenhistorischer Anti-Tacitus cum ira et studio, mit Zorn und Eifer, forscht und deutet.

»Ich schreibe ›aus Feindschaft‹«, hat er bekannt. Versöhnlichkeit, gar Altersmilde sind von ihm nicht zu erwarten. Aber Deschner nimmt für sich in Anspruch, dass die Feindschaft nicht auf ein plattes Ressentiment zurückzuführen ist: »Die Geschichte derer, die ich beschreibe, hat mich zu ihrem Feind gemacht. Und nicht, weil ich nicht, was auch wahr ist, geschrieben habe, bin ich widerlegt. Widerlegt bin ich nur, wenn falsch ist, was ich schrieb.«

Wenn man das tendenziös nennen will, mag man das tun. Statt »tendenziös« freilich sollte man besser »moralistisch« sagen. Denn dieser Verbrechenshistoriker schreibt als Moralist – sowohl im alten wie im neuen Sinne des Wortes, sowohl als Beobachter der menschlichen Sitten wie als Kritiker der frommen Niedertracht. Das meistgebrauchte Satzzeichen ist das Ausrufezeichen eines Autors, der selbst angesichts der ewigen Wiederkehr der beschriebenen Verbrechen, ob aus barem Fanatismus begangen oder schnöder Machtgier, nicht aus der Entrüstung herauskommt, gar nicht herauskommen will.

… Der entscheidende Impuls seiner Kritik ist sogar eine Moral, die man, in einem doppelten Sinn, christlich nennen kann: Sie orientiert sich einmal an humanen Prinzipien, zu denen sich die Bergpredigt und Teile des Urchristentums bekannt haben. Zugleich ist Deschners Moral rigide, christlich im weniger gnädigen Sinn. Mit rücksichtsloser Konsequenz wendet er biblische Grundsätze auf die Geschichte des Christentums selber an: »An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.« Eine Art von kirchenhistorischem Jüngstem Gericht findet bei Deschner statt. Ein enttäuschter Christ spricht sein Urteil über ein kriminell gewordenes Christentum.algeschichte des Christentum

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http://www.nzz.ch/streitbar-und-umstritten-1.18049735

Neue Zürcher Zeitung

Karlheinz Deschners «Kriminalgeschichte des Christentums»

Streitbar und umstritten

von Ludger Lütkehaus,  20.3.2013, 11:30 Uhr

Ein Moralist sitzt zu Gericht

Eine zweite Gefahr, mit der das Riesenwerk, auch in seinem letzten Band, zu kämpfen hat: Deschner schreibt nicht nur moralistisch und als Moralist, sondern so, dass er in seinem Urteil an eben die Traditionen anschliesst, deren Unbarmherzigkeit er bekämpft. Das biblische «An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen» ist auch bei ihm die polemische Maxime. In einem katholischen familiären Milieu aufgewachsen, Zögling diverser Klosterschulen, für ein Studienjahr Student einer philosophisch-theologischen Hochschule, agiert er als enttäuschter Christ, der über ein kriminell gewordenes Christentum zu Gericht sitzt. Eine Art von kirchenhistorischem Jüngstem Gericht findet bei ihm statt. – Aber welcher Historiker könnte von der Verbrechensgeschichte, die er darstellt, unberührt bleiben? Wer schreiben will, «wie es eigentlich gewesen», muss die Wundmale zeigen.

Deschner hat seinen Acker rechtzeitig bestellt

Maßgeblichen Anteil an der Vollendung des Deschner’schen Werkes haben der Philosoph Michael Schmidt-Salomon, der Deschners „Politik der Päpste“ aktualisierte, und Deschner-Mäzen Herbert Steffen, der den Autor seit den 1990ern unterstützt.

Gemeinsam gründeten die beiden 2004 die Giordano-Bruno-Stiftung, die Deschners Arbeit einerseits weiterführt, andererseits über sie hinausgeht, indem sie dem Christentum einen evolutionären Humanismus entgegenzusetzen beansprucht, der „entschieden für die Werte der Aufklärung, für kritische Rationalität, Selbstbestimmung, Freiheit und soziale Gerechtigkeit“ eintritt.

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http://www.taz.de/!5072536/

Taz.de    ,         27. 2. 2013

Der Papst und sein schärfster Kritiker

Wir sind müde

Hat Gott Humor? Papst Benedikt XVI. gibt sein Amt auf. Und Karlheinz Deschner, der schärfste Kritiker des Christentums, schließt sein Opus magnum ab.

 

Während Benedikt XVI. aus katholischer Sicht immens viel dafür getan hat, das Unkraut aus seinem in fast 2.000 Jahren mit Schweiß, Blut und Tränen getränkten Acker zu entfernen – wenn auch nicht unbedingt als Papst, sondern als Gelehrter.

So sind die alten Herren nun beide am Christentum ermüdet. Unter ganz anderen Umständen hätten sie vielleicht Freunde werden können. Und Umstände verbessern wollten sie ja beide. Nur eben jeder auf seine Weise.

 

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http://www.berliner-zeitung.de/kultur/karlheinz-deschner–jede-schmach-und-jede-schande-6949092

http://www.fr-online.de/literatur/karlheinz-deschner–jede-schmach-und-jede-schande,1472266,22200046.html

Karlheinz Deschner  / Jede Schmach und jede Schande

Von Arno Widmann

Der Autor wird nicht müde zu erklären, dass er eine „Kriminalgeschichte des Christentums“ schreibt, keine umfassende, allen Seiten dieser Religion gerecht werden wollende Darstellung. Statt ihm dankbar zu sein und zu überlegen, wie man den Gang-stern im eigenen Laden das Handwerk hätte legen können, oder – wichtiger noch – wie man verhindern kann, dass immer wieder neue Verbrechen unter dem Deckmantel der Religion begangen werden, wird der Überbringer der unangenehmen Nachricht immer wieder beschimpft. Das zeigt nur, dass die Stellvertreter Christi sich nicht unterscheiden von uns anderen Sterblichen. Sie sind eben nicht nur Sünder, sondern sie sind ebenso wenig dankbar dafür, auf ihre Sünden angesprochen zu werden wie der Rest der Menschheit. Desto wichtiger sind diese Vorhaltungen. Desto wichtiger ist Karlheinz Deschner.

Sich im Recht fühlen

Wer es sich gemütlich machen möchte, in einer Welt aus Sonntagspredigten und freundlichen Allgemeinheiten, die einhergehen mit der niemals ermüdenden Bereitschaft, seinen Nächsten mit Gewalt oder doch wenigstens mit ihrer Androhung – „außerhalb der Kirche gibt es kein Heil“ – vorzuschreiben, wie sie zu leben haben, dem wird Karlheinz Deschner immer ein Ärgernis sein. Dem ist Deschner es aber auch gerne. Wer erkennen möchte, wie man auch bei besten Absichten immer wieder in die Lage kommt, das Schlimmste zu tun, der wird auf Deschner nicht verzichten können. Er wird immer wieder in seinen Büchern nachblättern und immer wieder erschrecken. Freilich nicht so sehr über die Frommen, als über sich. Denn Deschner hält uns die als einen Spiegel hin, in dem wir uns nur zu gut selbst erkennen.

„Sie taten Böses jenen, die Jesus liebten, die seine Gebote befolgen wollten, sie rissen ihnen die Zungen, die Augen aus, zertrümmerten ihre Gebeine, sie begruben sie lebendig, sie kreuzigten, verbrannten, mauerten sie ein Leben lang ein, sie taten ihnen jede Schmach und jede Schande an und jeden Schmerz, sie rächten sich an ihren Kindern noch und Kindeskinder, sie fühlten sich gut und im Recht, sie fühlen sich noch immer so. Und schlugen doch die Menschheit ans Kreuz.“

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Acerca de ricardodeperea

Nacido en Sevilla, en el segundo piso de la casa nº 8 (después 18) de calle Redes de Sevilla, el 21 de Septiembre de 1957. Primogénito de D. Ricardo, tenor dramático de ópera (que estuvo a punto de hacer la carrera en Milán), y pintor artístico; y de Dñª. Josefina, modista y sastre ( para hombre y mujer), mas principalmente pintora artística de entusiata vocación. Desafortunadamente dedicóse tan abnegadamente a su familia y hogar, que poco pudo pintar, pero el Arte, el retrato, dibujo y pintura fueron su pasión hasta la muerte, que la sorprendió delante de un óleo de San Antonio de Escuela barroca sevillana, y al lado de una copia, hecha por mi padre, de la Piedad de Crespi, en tiempo litúrgico de San José. Seminarista en Roma, de la Archidiócesis de Sevilla desde 1977-1982, por credenciales canónicas de Su Eminencia Revmª. Mons. Dr. Don José María Bueno y Monreal. Alumno de la Pontificia Universidad de Santo Tomás de Aquino en Roma, 1977-1982, 1984, por encomienda del mismo Cardenal Arzobispo de Sevilla. Bachiller en Sagrada Teología por dicha Universidad (Magna cum Laude), donde hizo todos los cursos de Licenciatura y Doctorado en Filosofía (S.cum Laude), y parte del ciclo de licenciatura en Derecho Canónico (incluido Derecho Penal Eclesiástico). Ordenado de Menores por el Obispo de Siena, con dimisorias del Obispo Diocesano Conquense, Su Exciª.Rvmª. Mons. Dr. en Sagrada Teología, D. José Guerra y Campos. Incardinado en la Diócesis de Cuenca (España) en cuanto ordenado "in sacris", Diácono, por Su Exciª.Rvmª. Mons. Dr. en Sagrada Teología, D. José Guerra y Campos, el 20 de Marzo de 1982. Delegado de S.E.R. Mons. Pavol Hnilica,S.J., en España. Ordenado Presbítero, por dimisorias del mismo sapientísimo, piadoso e insigne católico Doctor y Obispo Diocesano conquense, el 8 de Enero de 1984 en la Catedral de Jerez de la Frontera (Cádiz), por Su Exciª. Rvmª. Mons. D. Rafael Bellido y Caro. Capellán Castrense del Ejército del Aire, asimilado a Teniente, y nº 1 de su promoción, en 1985. Fue alumno militarizado en todo, en la Academia General del Aire de San Javier (Murcia), destinado al Ala nº 35 de Getafe, y después a la 37 de Villanubla (Valladolid); luego de causar baja, como también el nº 2 de la promoción, a causa de encubiertas intrigas políticas pesoistas [ocupó pués, así, la primera plaza el nº 3, primo del entonces presidente de la Junta de Andalucía, un Rodríguez de la Borbolla] en connivencia con el pesoista Vicario Gral. Castrense, Mons. Estepa. Fue luego adscrito al Mando Aéreo de Combate de Torrejón de Ardoz. Párroco personal de la Misión Católica Española en Suiza, de Frauenfeld, Pfin, Weinfelden, Schafhausen, ... , y substituto permanente en Stein am Rhein (Alemania) . Provisor Parroquial de Flims y Trin (cantón Grisones), en 1989-90; Provisor Parroquial (substituto temporal del titular) en Dachau Mittendorf y Günding (Baviera), etc.. Diplomado en alemán por el Goethe Institut de Madrid y el de Bonn (mientras se hospedaba en la Volkshochschule Kreuzberg de esa ciudad renana) . Escolástico e investigador privado en Humanidades, defensor del Magisterio Solemne Tradicional de la Iglesia Católica y fundamentalmente tomista, escribe con libertad de pensamiento e indagación, aficionado a la dialéctica, mayéutica de la Ciencia. Su lema literario es el de San Agustín: "In fide unitas, in dubiis libertas et in omnibus Charitas". Ora en Ontología, ora en Filosofía del Derecho y en Derecho Político admira principalmente a los siguientes Grandes: Alejandro Magno (más que un libro: un modelo para Tratados) discípulo de "El Filósofo", Aristóteles, Platón, San Isidoro de Sevilla, Santo Tomás de Aquino, los RRPP Santiago Ramírez, Cornelio Fabro, Juán de Santo Tomás, Domingo Báñez, el Cardenal Cayetano, el Ferrariense, Domingo de Soto, Goudin, los Cardenales Zigliara y González, Norberto del Prado; Friedrich Nietsche, Martin Heidegger ; Fray Magín Ferrer, Ramón Nocedal y Romea, Juán Vázquez de Mella, Enrique Gil Robles, Donoso Cortés, Los Condes De Maistre y De Gobineau, el R.P. Taparelli D'Azeglio; S.E. el General León Degrelle, Coronel de las SS Wallonien, Fundador del Movimiento católico "Rex", el Almirante y Excmº. Sr. Don Luis Carrero Blanco (notable pensador antimasónico, "mártir" de la conspiración de clérigos modernistas, y afines, suvbersivos, y de la judeleninista ETA), S.E. el Sr. Secretario Político de S.M. Don Sixto (Don Rafael Grambra Ciudad), los Catedráticos Don Elías de Tejada y Spínola y Don Miguel Ayuso, entre otros grandes pensadores del "Clasicismo Natural" y "Tradicionalismo Católico"; Paracelso, el Barón de Evola, etc. . En Derecho Canónico admira especialmente a Manuel González Téllez y Fray Juán Escobar del Corro; Por supuesto que no se trata de ser pedisecuo de todos y cada uno de ellos, no unánimes en un solo pensamiento ("...in dubiis libertas"). Se distancia intelectual, voluntaria, sentimental y anímicamente de todo aquel demagogo, se presente hipócriamente como "antipopulista" siendo "polulista", o lo haga como antifascista, "centrista", moderado, equilibrado, progresista, moderno, creador y garante de prosperidad, o como lo que quiera, el cuál, sometiéndose a la mentira sectaria, propagandística y tiránica, inspirada en cualquiera de las "Revoluciones" de espíritu judío (: la puritana cronwelliana (1648,) la judeomasónica washingtoniana (1775), la judeomasónica perpetrada en y contra Francia en 1789, y las enjudiadas leninista y anarquista), ataque sectariamente o vilipendie a Tradicionalistas, franquistas, Falangistas, Fascistas, Nacionalsocialistas, Rexistas, etc., o se posicione nuclearmente, a menudo con la mayor vileza inmisericorde, y a veces sacrílega, contra mis Camaradas clasicistas ora supervivientes a la Gran Guerra Mundial (1914-1945), ora Caídos en combate o a resultas; se considera y siente parte de la camaradería histórica y básica común con los tradicionalismos europeistas vanguardistas de inspiración cristiana (al menos parcial), y con sus sujetos, aliados de armas contra la Revolución (jacobina, socialista, comunista, anarquista).
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